14. Februar 2022 Warum der Valentinstag auch ein Tag der Frauenrechte ist

Ein Drittel aller Frauen weltweit wurde irgendwann einmal in ihrem Leben geschlagen oder vergewaltigt (laut: www.onebillionrising.org).

Das internationale Projekt One Billion Rising beschäftigt sich damit, diese Gewalt an Frauen abzuschaffen. Es lädt global die Menschen zum Tanz ein, dazu, dass die jahrhundertelange Unterdrückung, Misshandlung und Entmachtung von Frauen beendet wird. Ich möchte einladen, sich zu diesem Thema Gedanken zu machen, damit wir unseren Töchtern in der Zukunft nicht sagen werden: „Halte dich nach 16:00 immer in der Nähe von der Bahnhofssecurity auf, wenn du denn schon Zug fährst.“ und „Nimm dir lieber eine dünne Jacke für den Hinweg mit, man sieht ja schließlich deinen Bauch und deinen Ausschnitt. Du weißt, wie Männer sein können…“

Am 14.02., Valentinstag, treffen sich weltweit Männer und Frauen auf den großen Plätzen der Städte, um genau hierfür ein Statement zu setzen. 170 Orte und ca. 60.000 Menschen haben 2020 allein in Deutschland an One Billion Rising teilgenommen. Auf der anderen Seite hingegen wurden allerdings auch 81.630 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung erfasst. Dunkelziffer unbekannt.(Quelle: statista.com)

www.onebillionrising.org © Alixa Garcia

www.onebillionrising.org © Alixa Garcia



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Peggy, unsere Politiklehrerin und bekennende Menschenrechtlerin, war fast jedes Jahr auf den Demos und hat sich überreden lassen, uns von der Situation vor Ort zu berichten. Ich war so frei, aus den sich ergebenden Stichpunkten einen eigenen Text zu formulieren.

Wie sieht so eine Demo aus?
Ich sehe das Ganze nicht als eine Demonstration, sondern eher als eine Infoveranstaltung, aber das nur vorweg. Gegen 12:00 wird sich an einem großen, öffentlich zugänglichem Platz gesammelt und zur Einstimmung werden Reden gehalten, die sich mit der aktuellen Lage, politischen Situation, Trends, Frauenrechten weltweit, Hilfsangeboten vor Ort und Organisationen, die helfen und Helfende suchen befassen. Sobald der Teil mit den Reden abgeschlossen ist, formatieren sich die Tanzenden und bewegen sich zu dem Song „Break the chain“ in englischer und deutscher Version. Manche haben die Choreografie vorher eingeübt, andere freestylen, aber alle zeigen Solidarität für die Opfer, die es tagtäglich gibt und machen sich stark für Gleichberechtigung. Außerdem werden Botschaften auf Bannern, Flyern, Kreidebildern uvm. verbreitet.

Wer nimmt denn teil?
Frauen, Kinder und Männer aller Altersklassen. Es berührt mich aber besonders, die kleinen Kinder um mich herumwirbeln zu sehen, die zwar noch nicht voll verstehen, worum es geht, aber hoffentlich die bedingungslose Liebe und den Respekt in sich aufsaugen, in sich weitertragen und später verteilen werden. 

Worum geht es denn dir ganz persönlich dabei?
Jede:r, also auch Männer und Kinder, hat ein Recht auf ein gewaltfreies Leben. Mir ist es besonders wichtig, ein Statement zu setzen und Solidarität auszudrücken. Stell dir vor, niemand würde die Initiative ergreifen. Ich spüre immer ein Beben in mir, wenn ich dort tanze und es wühlt mich auch emotional auf, zu erfahren, dass es Opfer von solcher Ungerechtigkeit gibt.

Für viele ist der Valentinstag ein Tag der Liebe und Zuneigung, warum passt das so gut zu One Billion Rising?
Ich nehme den Valentinstag als einen Tag des Konsums wahr, da gibt es Plastikherzen und rosa Rosen zu kaufen und ich finde das falsch, denn für mich ist Liebe bedingungslos und vor allem nicht zu erkaufen. Es ist vorstellbar, dass gerade jener, der seine Frau schlägt, ihr am Valentinstag auch mal ein Geschenk macht, um sein schlechtes Gewissen zu beruhigen und sich ihre Liebe zu sichern.
Dabei ist es besonders wichtig, dass Aktionen wie One Billion Rising sich starkmachen. Es geht um die Solidarität und den Beistand für die Millionen Opfer von Femiziden, Genitalverstümmelung unter dem Deckmantel von Traditionen, Vergewaltigungen und Missbrauchsfällen oder die angeblich kleinen Dinge, wie z.B. der Gender-Pay-Gap.
Mir persönlich geht – wie gesagt – das Herz bei den Tänzen auf. Ich glaube, Liebe und Respekt ist erlernbar.

Vielen Dank, Peggy, für das Interview. Hast du noch etwas für die Blogleserschaft zu sagen?
Ich wünsche mir, dass jede:r eigene Gedanken und Ideen zu diesem Thema hat, damit wir gemeinsam etwas verändern können. Engagement muss übrigens auch nicht immer laut und groß stattfinden, es ist nur wichtig, dass man irgendwo anfängt.

 

Wen jetzt das Interesse gepackt hat, dem kann ich folgende Links empfehlen:
• Was ist One-Billing-Rising?
• YouTube Video von One-Billing-Rising

 

Es grüßen die »Überflieger« zum Valentinstag.

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PS:
Die »Überflieger« sind jene Jugendlichen, die gemeinsam mit Peggy eine Woche länger in Longo Mai bleiben mussten.