22. April 2026 Regentage
Dienstag, 21.4.2026
Aktuelle Position: 38°16 N, 043°29 W
Bisher zurückgelegte Seemeilen: 11.553,7
Ziel: Horta, Azoren
Wetter: Sonning, wenig Wind, trotzdem fresh
Stimmung an Bord: Vorfreude auf zu Hause
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Wir befinden uns auf dem Nordatlantik kurz hinter Bermuda, auf dem niederländischen Dreimaster Eendracht. Die Besatzung besteht aus 38 Schülerinnen, 5 Pädagogen und ca. 12 Crewmembern. Seit Oktober letzten Jahres reist das Schiff, angefangen in Bremerhaven, durch die Ozeane. Über 10 Länder und Inseln hat der Törn der 33. HSHS Reise bis jetzt besucht. Fünf aufregende Monate auf See liegen nun hinter den Jugendlichen und Lehrkräften. Fünf Monate voller Swimcalls, Stadtführungen, Expis, Unterricht, Seekrankheit, Sturm, Sonne, Regen, Stress, Spaß, neue Erfahrungen, sowie neuer Herausforderungen. Das Schiff begibt sich jetzt auf den Rückweg über den Atlantik nach Deutschland. Die Wellen werden immer höher, das Wetter immer schlechter, die Stores immer leerer und die Schüler:innen immer müder. Die Reise neigt sich langsam dem Ende zu und so ist es leider auch häufig mit den Nerven der Besatzung. Lange Nächte beim Sailhandling, nervenaufreibend viel Arbeit in der Galley und Stress beim Einhalten von Abgabepflichten von Klausurersatzleistungen.
Morgendliches Workout auf der outer bridge © Becci
Ja auch bei der High Seas High Shool gibt es mal Regentage. All die neuen Eindrücke und die Arbeit, auch wenn spaßig, können auf Dauer echt anstrengend und erschöpfend sein. Trotz der Cabins ist oft wenig Raum für Privatsphäre und Ruhe. Zudem haben viele der Schüler:innen sowie der Lehrer:innen immer noch häufig mit Seekrankheit und Übermüdung zu kämpfen. Im Hinblick auf die immer näher rückende Heimkehr kommt auch manchmal ein bisschen Heimweh und Vorfreude auf Zuhause auf. Trotz alldem bleiben die Schüler:innen positiv und machen weiter.
Wir stellen uns also die Frage nach Strategien zum Bewältigen schwieriger Situationen, Phasen und Herausforderungen. Zur Klärung dieser Frage haben wir uns selbst einmal auf die Reise ins weite Blau gemacht, um der Eendracht einen Besuch abzustatten. Auf den ersten Blick, nach Betreten des Schiffes war kaum zu erkennen, dass die Jugendlichen bereits fünf anstrengende Monate auf See hinter sich hatten.
Um diesem Mysterium auf den Grund zu gehen, haben wir zunächst einige der Schüler:innen, nach ihren Tipps und Tricks befragt.
Die 17-jährige Laura erzählte uns bei der Frage, nach ihren Strategien über eine Packung Vanille Chai von Zuhause, in der ihre Schwester Fotos von daheim versteckt hat. Kuscheln, so Laura, würde auch helfen. Der 17-jährigen Lea zu Folge, helfe auch ganz viel Musik hören, lesen und Briefe von Zuhause. Auch Schokolade soll was bringen, wenn man denn welche hätte. Die 16-jährige Maia sieht das ähnlich. Sie isst am liebsten Müsli und Obst, wenn es ihr einmal nicht so gut geht. Zudem schreibt sie auch gerne Tagebuch oder geht einfach schlafen. Mia De. ist es wichtig, mit anderen zu reden, um sich besser zu fühlen. In ganz schwierigen Situationen soll aber sich im Fridge ausschreien ein gutes Mittel gegen Frust sein. Auch Letitia haben wir zu ihren Tricks befragt. Die 17-jährige Münchenerin schwört dabei auf Self Care. „ Einfach mal eine Gesichtsmaske machen“ so Letitia. Liv bleibt bei ihrer Antwort ganz pragmatisch. „Essen, schlafen, weitermachen.“ Die 16-jährige Hamburgerin weiß nun mal worauf es ankommt. Die beiden Kölner Laurids und Leopold denken in schweren Zeiten oft an die Südstadt. Matthias macht es sich ganz einfach. Wenn dem Schwaben einmal alles zu viel wird, geht er einfach schlafen. Bei Leander und Ole sieht es ähnlich aus. Die Beiden 17-jährigen freuen sich an schlechten Tagen über Essen und viel Schlaf.
Im Verlauf der Gespräche ist durchgeschienen, dass Schlaf wohl sowieso eines der besten Mittel gegen schlechte Laune ist. Da es an Bord häufig genau daran mangelt, haben uns besonders die anderen Möglichkeiten zur Stimmungsverbesserung interessiert. Aus diesem Grund haben wir weiter nachgeforscht und das Gespräch mit den Jugendlichen gesucht. August sagte uns, dass er sich viel und gerne mit anderen über seine Probleme unterhält. Auch setze sich der 17-jährige Schweizer gerne mal für ein paar Minuten in den Fridge. Julius sagte uns: „Zu dem üblichen Schlafen gehört auch das Verschlafen. Besonders gut tut es, wenn man weiß, dass man gerade etwas nerviges, wie z.B. Unterricht verschlafen hat“. Außerdem redet der 17-Jährige auch gerne mit dem Vertrauensschüler, wenn ihm etwas auf dem Herzen liegt. „Duschen!“ kommt es, nach Stellen der Frage, wie aus der Pistole geschossen von Linda. Linda hilft es besonders, sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Die 17-jährige Münchenerin findet Ruhe bei Skin und Body Care. Auch Inka kann bei einer Dusche gut runterkommen. Greta konnte uns auch viele von ihren Tricks verraten. Die 17-Jährige von der kleinen Nordseeinsel Spiekeroog redet gerne mit Anderen. Ihr hilft die Gemeinschaft. Zudem schaut sie sich zu schwierigen Zeiten Fotos und Briefe von Zuhause an. Generell ist Lesen für sie an solchen Tagen eine gute Ablenkung. Greta erzählt uns außerdem von einer Audio-Datei, auf die ihre Familie und Freunde Grüße gesprochen haben. Lilly F. braucht manchmal einfach ein bisschem me-time. Sie hört dabei gerne Musik und legt sich ins Bett.
Da uns auch interessiert hat, wie es bei der anderen Seite der Besatzung aussieht, haben wir uns auch mit den Pädagog:innen auseinandergesetzt. Dabei ist uns aufgefallen, dass die Antworten sich gar nicht so stark von denen, der Schüler:innen unterscheiden. Lilly K. (Lehrerin für Geografie und Globales Lernen) mag es, sich auf die Outer Bridge zu setzen und zu singen. Sie schreibt oder liest außerdem auch viel. Lilly hilft es aber ebenfalls, mit anderen zu sprechen und lenkt sich mit Arbeit ab, indem sie zum Beispiel in der Galley hilft. Laurens (Lehrer für Deutsch und Spanisch) zieht sich in sein Bett zurück, hört laut Musik und liest. „Ich flüchte dann gerne in fiktive Welten“, so der Pädagoge. Hannes (Lehrer für Politik und Geschichte) zieht sich auch gerne in sein Bett zurück. Er verrät uns zudem, dass er sich dort verbotenerweise auch des Öfteren mal ein paar Kekse gönnt. Auch die Bordärztin Lena haben wir zu ihren Strategien befragt. Lena setzt sich häufig auf die Segel und hört laut Musik.
Die Jugendlichen und Lehrer:innen haben also, mit der Zeit gut für sich herausgefunden, was sie brauchen um sich besser zu fühlen und wie sie mit Herausforderungen umzugehen haben – unser Einschätzung nach mit großem Erfolg. Trotz unter anderem anstrengender Tage, bleibt die Stimmung an Bord gut. Überall sieht man lachende und interessierte Gesichter bei der Arbeit und beim Bewältigen neuer Aufgaben. Auch wenn jetzt wieder in Ölzeug und nicht mehr in kurzen Hosen.
Uns war es jedoch wichtig, auch einmal diese Seite der Reise zu bewerten, bei der nicht immer alles nur Sommer, Sonne, Quitscheenten ist. Wir wollen Transparenz dafür schaffen, dass sogar eine verdammt besondere Abenteuerreise wie diese kräftezehrend und herausfordernd sein kann. Persönlich finde ich jedoch, dass das einfach dazu gehört, die Jugendlichen stärkt und die Reise zu einer Bereicherung für alle Beteiligten macht, die sie sind.
Laurens pustet seine Geburtstagskerzen aus © Becci
Pyjama-Tag bzw. Unterricht im Schlafanzug © Becci
Kurzes, vom Blogthema unabhängiges, Update:
- Viele Wal- und Delfinsichtigungen die letzten Tage
- Handover lief ohne große Probleme mit wenig Wind und eigentlich supi
- Die Mottowoche ist im vollen Gange (Montag: Pyjama-Tag, Dienstag: Lieblings-Landstay)
- Heute (21. April) wurde Laurens Geburtstag gefeiert
Carita

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Grüße:
- Lilly F.: Omi alles Gute zum Geburtstag!! Wir sind grade noch auf dem Atlantik und haben gefühlt die ganze Zeit nur Flaute – haben auch schon Wale gesehen :)
- Hannah: Liebe Grüße an meine Mama und meinen Papa. Hab euch ganz ganz dolle lieb! 1. Handover als Kapitänin habe ich hinter mir. Es war anstrengend, aber hat unglaublich viel Spaß gemacht! Ich denke an euch alle zu Hause, aber genieße die Zeit hier. Hab euch lieb!
- Matthias: Liebe Lara-Luise, ich wünsche dir alles alles Gute zum 18. Geburtstag. Du kannst dir nicht vorstellen wie gern ich dich heute drücken würde aber ich denke trotzdem ganz doll an dich und vermisse dich sehr. Geh auf jeden Fall richtig steil heute und ich bring dir ein (paar) Geburtstagsgeschenk(-e) mit.
- Luca: Hi liebe Grüße an alle zu Hause. Und vor allem liebe Grüße an Mama, ich wünsche dir alles, alles Gute zum Geburtstag. Ich hoffe ihr habt schön gefeiert. Bis ganz bald <3
- Mia De.: Hallihallo und jetzt wirklich alles Gute zum Geburtstag Papa (vorträglich bringt ja bekanntlich Unglück). Freu mich schon auf die Phonetime auf den Azoren auch wenn die wahrscheinlich kürzer wird.
- Letitia: Liebe ichele, ich denke gerade super viel an dich und vermisse dich sehr!! Hab dich super lieb!!! Liebe Oa, ich hoffe du hattest einen schönen Samstag und ihr habt schön gefeiert! Happy Birthday ich liebe dich!!!
- Finja: Viele liebe Grüße vom Nordatlantik! Echt vergleichsweise wenig Wind aber dafür sehr angenehm soweit. Als Engineer ist man hier 24h natürlich im professionellen Outfit am Start ... auch neben Overall mal im Pyjama hahah. Es ist soweit alles gut und wir verabschieden uns von der letzten ,,normalen“ Schulwoche mit einer Mottowoche – finde ich echt mega! Die Vorbereitungen für den SBF laufen auch schon. Hab euch alle lieb! Sea you soon!
- Lenya: Liebe Grüße an Pia, meine Lieblingsschwester, und an den Rest meiner Familie. Hier ist alles super, vor ein paar Tagen haben wir sogar Buckelwale gesehen. Ich hab euch ganz doll lieb, fühlt euch umarmt und bis zur nächsten Handyzeit!
- Laura: Hi, mir geht‘s supi aber ich dachte ich grüße einfach mal alle die sich jetzt angesprochen fühlen. Also, ganz ganz liebe Grüße, ich hab euch lieb und freue ich schon euch in 32 Tagen wiederzusehen!
- Muri: Ganz liebe Grüße an meine Familie! Freu mich schon drauf, eure Briefe bald zu öffnen :)