20. April 2026 Evolution der Nachmittags-Snacks

Datum: 11.04.2026
Position: Bermuda · Ziel: Azoren
Bisher zurückgelegte Seemeilen: 11.122,7 
Stimmung: Freude über das Provisioning.

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Evolution der Nachmittags-Snacks

(Schließung des Drystores führt zu neuen Krisen)
Bericht eines Insiders
 
Heute soll es um ein Thema gehen, was mir persönlich eines der wichtigsten im Bordalltag ist. Der legale Fraß. Dieser ist nicht zu verwechseln mit dem „legalen Querfraß“, welcher von unserer ersten Handover-Galley erfunden wurde, bei dem man aus dem Fridge Leftovers nehmen durfte. Nach dem „Sign-in-Dinner“ die beste Erfindung auf diesem Schiff!

Auf der Suche nach dem »legal Querfraß«

Auf der Suche nach dem »legal Querfraß« © Leopold

Der legale Fraß, umgangssprachlich auch „Snack“ genannt, beschreibt das Essen zwischen Mahlzeiten. Dieses wird von Crew und unterrichtenden Lehrkräften nicht gerne gesehen und oft mit unverständnisvollen: „What? How can you eat now, there is going to be dinner in 3 and a half hours“, freundlich kommentiert. In den guten alten Zeiten des English Channels, war dies noch kein großes Thema, denn das meiste an Essen durfte zweimal genossen werden. Durch dieses Phänomen hatten die meisten keinen Appetit mehr auf einen, wie ich es auch gerne nenne: „Langeweile Snack“.

Angefangen auf dem Weg nach Teneriffa hat es mit einer Auswahl an Früchten. Mandarinen, Orangen, Grapefruits und Äpfel wurden in unserem Früchtekorb bereitgestellt. Doch diese waren schnell leer und langweilig zu essen, was den Ursprung des Problems für mich persönlich noch nicht löste. Der Anfang des heute beliebtesten Snacks, das Müsli, fand an unserem ersten Halt dieser Reise in „A Coruna“ statt, bei dem Personen viel Geld von ihrem ersten Taschengeld für dieses ausgaben. Mich natürlich eingeschlossen. Zu dieser Zeit gaben die gut gelaunten Galley-Menschen noch Milch, wann immer man nach dieser verlangte, um sein Müsli verschnabulieren zu können.

Das meistgekaufte Müsli ist meiner Einschätzung nach, die abgelaufenen und ungezuckerten Cornflakes, die man für den halben Preis auf Grenada ersteigern konnte. Vorhanden waren diese in 1kg schweren Packungen, die ca. 50 x 50 cm maßen. Um diesen Konsum aushaltbar und noch ungesünder zu gestalten, war die letzte Zutat zu einem perfekten Müsli Zucker. Als erstes, in Form von kleinen Kristallen und später in der weiterentwickelten Variante des Puders, welches sich nach Beobachtungen noch besser in Milch auflöste.

Wie sich der aufmerksame Leser wahrscheinlich schon erschließen konnte, muss sich an der Milch- und Müsli-Situation auch etwas verändert haben. Denn was ist, wenn dein Müsli alle geht oder im Galley Fridge keine Milch mehr aufzufinden ist? Oder wenn die Milch als zu heiliges Gut empfunden wird, rationiert wird und der Drystore abgeschlossen wird? Diesen ganzen Probleme und Herausforderungen musste unsere Reise schon ins Auge blicken und für alles haben wir eine mehr oder weniger befriedigende Lösung gefunden (eher weniger als mehr).

Zuallererst wollen wir uns mit dem größten aller Probleme befassen und zwar das des leeren Müslis. Vallah Krise. Entweder du warst zu gierig und konntest deinen Proviant nicht so gut einteilen, wie das Eendracht Office ihre Milch, oder irgendein Lausbub hat sich entschlossen, dass du mal mehr teilen könntest und sich an deinen Sachen bedient (Sharing is caring). Nichtsdestotrotz hast du kein Müsli, aber die Langeweile steigt mehr und mehr und um dies zu verhindern, kommt der erste Notfallplan in Einsatz. Haferflocken! Mit Zucker! Ein paar wenige sehr unqualifizierte Meinungen beinhalteten, dass dies ja „Querfraß vom Schiff“ wäre, was ja natürlich ein ganz großer Humbug ist. Da ich mich in diesem Blog nicht mit so großen und bedeutenden philosophischen Fragen auseinandersetzen möchte, kehren wir zum nächsten Thema.

Fallbeispiel: Wie Milchentzug den Leuten zusetzt

Fallbeispiel: Wie Milchentzug den Leuten zusetzt © Leopold

Was, wenn keine Milch?
Die Eendracht, oder besser gesagt deren Office lagern jedes Jahr für viel Geld, niederländische Milch von dessen Kontingent wir das meiste schon aufgebraucht haben. Aus diesem Grund stehen uns mittlerweile täglich 9 Liter zur Verfügung. Umgerechnet sind das 150 ml pro Person von denen die Galley auch noch kochen muss. Da rohes Müsli nur zeitbedingt mundet, ist es wichtig, eine Alternative zu finden und deshalb kommt unser Wasserkocher in solchen schwer zu meisternden Situationen sehr gelegen. Der positive Aspekt von heißem Wasser in Müsli ist, dass es warm ist, also vor allem in Night Watches sehr gelegen kommt. Die negativen Aspekte sind, dass es nicht schmeckt und du dich verbrennen kannst. Durch verschiedene Kombinationen wie z.B. Kaffee mit Haferflocken oder Haferflocken pur oder wahlweise auch keine Haferflocken, kamen wir auf den glorreichen Gedanken, dass wir das Milchpulver, dass wir Kiloweise proviantiert haben auch für den privaten Nutzen einziehen könnten.

Durch langes Herumexperimentieren mit verschiedenen Verhältnissen und Rühr- und Schütteltechniken kamen wir zu der Erkenntnis, dass das neu hergestellte Produkt noch weniger schmeckte und eine sehr ekelerregende Konsistenz und einen interessanten Geruch mit sich brachte. Und so ließen wir das Milchpulver fortan am ursprünglich Platz stehen, fassten es nie wieder an und konzentrierten uns auf andere Snacks und Möglichkeiten etwas zu essen.

Eine davon ist Knäckebrot. Offiziell erlaubt vom Master, dürfen wir uns in hungrigen Phasen des Tages an diesem bedienen und wahlweise auch mit Aufstrichen verzehren. Der nach dem Fluss „Orinoko“ benannte Schokoaufstrich ist des Autors Favorit und eine Empfehlung an jeden Leser. Bei guten Beziehungen in die Galley, gibt es ab und zu auch übriggebliebenes geschnittenes Brot von Frühstück oder Mittagessen, welches auch fast immer mit Orinoko genossen wird.

Die ersten zwei Wochen dieser Reise, war Hagelslaag (so Schokokrümel, die von deinem Brot fallen wenn du versuchst sie zu essen) eines der begehrtesten Produkte auf dem Schiff. Mittlerweile sind die Crew-Mitglieder die einzigen, die sich darum bemühen, die hunderten an Packungen zu leeren, die wir im Schaapskoi (einer der Lagerräume) gelagert haben und es würde mich nicht wundern, wenn diese auch noch die nächsten 10 Jahre dort verweilen werden.

Nun gelangen wir an die Spitze unserer Pyramide. Der Cookie Dough. Mit den Zutaten Mehl, Zucker, Wasser, Milchpulver, Sonnenblumenöl, weil die Butter einen unangenehmen Beigeschmack hat, und ganz viel Liebe, lässt sich für Eendracht-Verhältnisse ein ausgezeichneter Snack machen. Da dieser sich nur in Maßen genießen lässt, aufgrund von Faulheit ein ganzes „Gericht“ zu »kochen“ und du die Galley nicht während ihren Arbeitszeiten stören willst (weil es dann keine Milch und kein Brot mehr gibt), ist der „Keksteig“ an Zeiten gebunden, die die Pädis und Crew als unsittlich beschreiben würden. Also typischerweise mitternachts zur Geisterstunde.

Verzweifelter Vogi versucht in den Drystore Foodstore einzubrechen

Verzweifelter Vogi versucht in den Drystore Foodstore einzubrechen © Leopold

Zusammenfassend kann man sagen, dass man hier kreativ werden kann, um eine leckere Zwischenmahlzeit einnehmen zu können und wir eigentlich nie hungern müssen, was echt schon premium ist.

Ich hoffe, dass dies nicht zu viel des Insiderwissens war und dieser Blog mir keinen Ärger einbringt, aufgrund von „Missverständnissen“. Wir essen hier echt gut und das sage ich als allgemein bekannter Kritiker. Von daher müsst ihr euch keine Sorgen machen und ich wünsche euch noch eine schöne nächste Mahlzeit.

Leopold

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Grüße:

  • Leopold: Ich hoffe diese kleine Hommage an Conrads Arbeitszeitbetrug-Blog hat euch gefallen. Ich vermisse das Essen von zuhause und das von Oma und Nonna aber trotz ausgefeilten Tricks unendlich doll. Ich hab euch unendlich lieb, liebe Grüße euer Leopold!
  • Leander: Ganz liebe Grüße nach Hause. Das Essen ist seit Bermuda wirklich besser geworden.
  • Maia: Baldrian-Bwupsen blühen bunt. Alles Gute zum Geburtstag liebe Oma und alles Gute nachträglich lieber Papa! Hier auf der Atlantiküberquerung haben wir jetzt schon mehrmals Wale und Delfine gesehen. Hab euch ganz doll lieb und freue mich, euch bald wiederzusehen:)
  • Greta: Alles Gute nachträglich an Maias Vaddi (den Ingo), hoffe du hast ein schönen Tag! Liebe Grüße auch an Merle, haben gestern Buckelwale oder so was in der Art gesehen!!
  • Julius: Ganz lieb Grüße an meine süßen Köterchen Moses, Sophie und Wilhelm. Bald können wir wieder zusammen Mittagsschläfchen machen. Kussi Juli
  • Muri: Ganz liebe Grüße an zuhause:)
  • Inka: Liebe Grüße an zu Hause. Habe euch ganz doll lieb.
    Pauli: Liebe Grüße an zu Hause. Lol lol lol Digga es sind noch 34 Tage, wie schnell geht die Zeit rum.
  • Laura: Liebe Grüße an zuhause, Oma und Opa und an Clara, ich weiß nicht, ob du diese coole Maus in einem meiner Briefe gemalt hast aber falls ja: der Brief klebt jetzt an meiner Wand und macht mich immer happy, wenn ich ins Bett gehe. Hi Julia, Inka hat mir neulich die Haare geschnitten und sie sind jetzt deutlich kürzer, wahrscheinlich sehen wir uns jetzt noch ähnlicher. Ach übrigens, gestern haben wir Buckelwale gesehen. Herzlichen Glückwunsch zum halben Jahrhundert an Peter, lass dich feiern!
  • Mia De.: Liebe Grüße an alle daheim! Besonders an Papa, ich wünsche dir morgen einen wundervollen Tag und hoffe, du kriegst einen anständigen Kuchen (keine Sorge, wenn ich zurück bin back ich dir Zwetschgendatschi). Was ich dir noch unbedingt sagen möchte: Ich habe dich unglaublich lieb und bin dir und Mama so dankbar, dass ihr mich immer unterstützt habt, für mich da seid und mich auch aushaltet, wenn ich zum Kotzen bin. Danke, für all die Papa-Mia-Gespräche, für die Autofahrten mit der Playlist des besten DJs der Welt (von meiner Geburt an :)) und für geteilte Trüffelravioli. Ich vermisse dich, aber jeden Morgen und Abend gucke ich auf das Schwalbenbild und freue mich dann, abends draußen zu sitzen und sie mit dir in echt anzuschauen. Bis ganz bald!
  • Hannah: Ganz liebe Grüße an Mama und Papa, ich hab euch sehr lieb! Liebe Grüße natürlich an Amelia, die Geburtstag hatte. Alles Liebe und Gute wünsche ich dir bis auf die andere Seite der Erde. Liebe Grüße an Leo, Mariko, Mathilda, Johanna, meine Omas und so viele mehr! Ich freue mich euch wiederzusehen!