31. Oktober 2022 »Mast und Schotbruch«

Rückschau auf die Tage im Nordatlantik
(25. bis 27.10.2022 vor Portugals Küste)

Position: 39°38,09'N, 9°38,09 W
Kurs: SW 220° · Geschwindigkeit: 6,2 Kn
Wetter: 16°C · Wind: 5 – 6 aus SW
Zurückgelegte Seemeilen: 1.550 nm
Seekranke Personen: 5

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Die drei Meter hohen Wellen peitschen aufgewühlt und ungehemmt durch die See und die Gischt, die sich von den Wellen abhebt, wird direkt vom Wind in die dunklen Weiten des Nordatlantiks getragen. Aus der Dunkelheit lösen sich gespenstisch hohe Masten und das Ächzen von Tauen und das leise Knarren, Flattern und Rascheln von Segeln durchbricht das monotone Rauschen der Wellen, die nun an die Bordwand der Gulden Leeuw schlagen und das stolze Schiff sanft aber kräftig hin und her bewegen. Während der Bug sanft durch den Atlantik pflügt, gehen die Jugendlichen, die das elegante Schiff segeln, routiniert ihrer Arbeit nach. Sie trimmen die Segel und navigieren das Schiff so schnell und sicher sie können in Richtung Süden, um dem hinter ihnen tobenden Sturm auszuweichen.

Auch im tiefen Bauch des Schiffes ist bereits Bewegung. In der Kombüse bereitet das Galley-Team bereits das Frühstück für den Tag vor, was sich aufgrund des Seegangs immer wieder als schwierig erweist.
Als die Sonne über der portugiesischen Küste, die man in der Ferne erahnen kann, aufgeht, herrscht bereits voller Betrieb auf dem Großsegler.
Kommandos werden laut, als das Mainsail (Großsegel) geborgen und die Klau der Gaffel (zum Mast gewandter Teil vom oberen Baum eines Gaffelsegels) vom Wind aus der Führung gedrückt wird. Das Holz bricht mit einem lauten Splittern. Mit jetzt weniger Segelfläche ist das rund 70 Meter lange Schiff zwar nicht mehr so schnell, hat aber auch weniger Heeling (Schräglage), was den Job für die Helmsperson (Rudergänger), der während der Manöver angestrengt versucht den Kurs zu halten, einfacher macht.

Das Wasser schwappt durch die Breezeways (Seitengänge), während der Wind langsam aber stetig stärker wird und völlig auf Süd dreht, ertönt das Kommando alle Segel zu bergen, da das Kreuzen nicht mehr effektiv genug ist und das Schiff immer weiter nach Norden abdriftet.

Wasser schwappt durch die Breezeways © Florentin

Als der rhythmische Sound der Schüler:innen ertönt, die unter Anweisung der Wachführers und des fahrenden Offiziers die Segel bergen, lässt ein tiefes Brummen das Schiff erzittern und stellt sicher, dass auch alle richtig wach sind. Unerbittlich fängt die knapp 1000 PS starke Maschine an, das rund 700 Tonnen schwere Schiff durch das Wasser zu schieben.

Als die Crew mit den Schüler:innen dabei ist, die entstandenen Schäden zu reparieren, beginnt das Schiff eine Fahrwasserrinne vor Portugals Küste zu passieren, als plötzlich das Radar ausfällt und man den Maschinisten fluchen hört.
Sich jetzt nur aus den Ausguck verlassend, fährt der stolze Dreimaster durch den Sonnenuntergang zurück in die Dunkelheit und ist bald schon nur noch ein paar Positionsleuchten am Horizont.
 
Text: Tjark · Fotos: Florentin

PS: 
Der anhaltend starke Wind aus südlichen Richtungen zwingt uns erneut, unseren Törnplan anzupassen und nun die KapVerden zu streichen. Wir werden von den Kanaren direkt in die Karibik starten!

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Grüße:

  • Nanna: Ich grüße die besten, wundervollsten, stärksten, fantastischsten und schönsten Menschen in meinem Leben. Dominik und Jonas! Ihr seid meine Welt und verdient nur die besten Grüße, die ihr bekommen könnt.
  • Jule: Liebe Oma Werra, ich wünsche dir alles, alles Gute zum Geburtstag, hab’ einen wundervollen Tag, ich denke an dich! Und an Katharina: Aus dem Musikvideo von den Kap Verden wird jetzt wohl doch nichts, Lissabon muss da wohl hinhalten.
  • Carla P: Doro, ich weiß du lachst uns gerade aus, weil wir nicht zu den Kap Verden kommen, aber ich Grüße dich trotzdem.
  • Anika: Grüße an meinen Bruder und an die durch die Decke krachende Putzfrau!
  • Charlotte: Grüße an Anna! Ich hab dich ganz doll lieb!