11. Mai 2026 Sturm

Datum: 10.4.2026
Position: 48°28‘4 N  08°55‘0 W
Kurs: Auf dem Weg nach Helgoland
Seemeilen: 13.202
Wetter: Bewölkt, stürmisch und kalt.
Stimmung: gemütlich, gerade sitzen wir in der Mess und sprechen übers Nachhausekommen

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Liebe Leser*innen,
Hier ein kleiner Einblick in unseren gestrigen Sonntagmorgen (dramaturgisch ein wenig umgeschrieben): 
Der Wind fegt keuchend übers Deck. Bläst so kräftig in die Segel, als würde er sie ernsthaft zum Kräftemessen herausfordern wollen. Wasser dringt dort aufs Deck ein, wo das Schiff sich kränkend der See entgegen reckt und Wellen brechen in regelmäßigen Abständen über dem Vordeck zusammen. Salz überschwemmt alles, nimmt jeden Winkel ein, verbreitet einen beißenden Geruch. Der Chief Officer steht auf der äußeren Brücke, am höchsten Punkt des Decks, und sieht sich das Spektakel an. Die hohe Wand einer gigantischen Welle bricht am Bauch des Schiffes und salziges Sprühwasser regnet auf den Seemann nieder.
 

Die Eendracht im Sturm

Die Eendracht im Sturm

 
Plötzlich zeigt der Ausguck aufs Vorschiff und ruft ihm laut etwas zu. Der Officer folgt mit dem Blick seinem ausgestrecktem Arm. Auf dem Vordeck scheint etwas nicht zu stimmen. Der Wind hat einige „Schakkles“ des „Forstaysails“ gelöst und die Eisenhaken, die das Segel normalerweise am Stag befestigen, baumeln nutzlos am stählernen Draht, während das Forstaysail fast volkommen lose im Sturm flattert. „Weck die Bootsleute“ befiehlt der Officer laut rufend, fast brüllend, um das ohrenbetäubende Getöse der Gischt und das Heulen des Windes zu übertönen.
 
Trotz der frühen Stunde sind innerhalb weniger Augenblicke alle Deckhands und die Bosuns, welche das Kommando über Deck und Segel haben, auf der Brücke versammelt. Die Bootsleute beschließen, das Segel, welches mittlerweile nur noch an drei Eisenhaken am Schiff befestigt ist, ohne Umschweife runterzunehmen.

Sobald die Bosuns das Kommando gegeben haben, marschiert das Team zum Vordeck. Wasserfontänen spritzten über das Deck, der Bug schlägt auf den Wellen auf und bei jeder Talfahrt drohen die Füße vom Boden ab-, und sich der Schwerelosigkeit hinzugeben. Die jungen Segler*innen, die sich dem Sturm entgegenstellen sind davon nicht beeindruckt. Sie haken ihre Klettergurte in der Sicherheitsleine ein, gleichen das Ungleichgewicht aus indem sie in die Hocke gehen und halten sich konzentriert bereit.

In Sekundenschnelle sind die Aufgaben zugeteilt. Genauso eingespielt wie immer nehmen alle ihre Positionen ein. Aus der Perspektive der am Heck kreisenden und kreischenden Möwen muss die Aktion wie eine einstudierte Choreografie wirken. Downhall, Halyard, Sheet, Kicking Strap, Toppinglift. Jeder, jede packt mit an, hilft da wo er oder sie gebraucht wird. Nachdem das Segel runtergezogen, gefaltet,  und zusammengeschnürt wurde, kehren erst die Wache und kurz darauf die Bosuns klatschnass, mit brennenden Muskeln, geröteten Wangen und voller Adrenalin im Blut in der Messe ein.

Noch immer stürmt es draußen und Töpfe und Schüsseln fliegen scheppernd durch die Galley. Doch die Stimmung ist ausgelassen und es duftet nach Sonntagsrührei, Kaffee und, wer hätte es gedacht, Salz ...
 
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Dieser Kurze Blog ist inspiriert von den jüngsten Ereignissen. Denn seit zwei Tagen segeln wir die Eendracht durch einen Sturm. Der Sturm ist zwar nicht von Besorgnis erregender Stärke, doch laut Beaufortskala (eine Tabelle mit der man anhand der Windgeschwindigkeit die Windstärke bestimmt) haben wir mit 40 knoten Wind und Windstärke 7 bis 8 »stürmischen Wind«.

Die starken nordatlantischen Winde verformen die sonst horizontale See zu einem steilen Gebirge. Das holprige Auf und Ab ist überall zu spüren. Niemand schläft mehr die Nacht in der Koje durch, alles was nicht festgehalten oder angebunden wird, fällt durch die Gegend. Sogar die Krümel und Salzkristalle auf dem Boden bleiben nicht wo sie sind, so dass wir tatsächlich den Deep Clean verschieben mussten :).
 
Jeder und jede Einzelne von uns wird innerlich von dem Extremwetter beeinflusst. Sowohl Körperlich als auch Geistig. Für einige bedeuten die sich auftürmenden Wellenberge eine endlose Qual. Auch nach fünf Monaten auf See werden viel zu viele von uns noch immer seekrank und müssen mit der Übelkeit und dem Hass auf ihren eigenen Magen kämpfen. Für die Anderen, die sich sogar ein bisschen nach Sturm gesehnt haben, bedeuten die Krängung des Schiffes, die weiß gekrönten Wellenberge, die gnadenlose Gischt, der kalte Wind - die ganze Sturm Sinfonie - jedoch endlich ein bisschen Adrenalin und Abenteuer.
 
In den letzten Monaten haben wir jeden Tag erfahren, dass Segeln so viel mehr ist als der Begriff vermuten lässt. Obwohl das ständige Reagieren auf Wind und Wetter jeden Tag (und Nacht :)) nach unserer Muskelkraft verlangt, ist Segeln, beziehungsweise Tallship-Segeln, mehr als ein Sport. Es ist eine Lebenseinstellung, sich auf all die Kompromisse einzulassen, die das Herausfordern der Naturgewalten auf offener See mit sich bringt.
Es ist ein eigenes Handwerk, die Segel, die Leinen, das Deck und jede noch so übersehbare Schraube instand zu halten. Jede*r Segler*in muss sein/ihr Handwerk gut beherrschen, braucht das Geschick, die Ausdauer und den Mut, bei allen Wetterbedingungen an Deck zu arbeiten und jeden Materialschaden immer wieder aufs Neue zu reparieren. Es ist mehr als gelebtes Gemeinschaftsgefühl.

Segeln ist eine eigene Welt, die Besatzung eine eigene Gesellschaft, welche ihre eigenen, an die ungewohnten Umstände angepassten Regeln und Rechte braucht (wir leben seit Monaten auf engstem Raum  zusammen, um uns herum nichts als Ozean. Normal ist anders). Wie jede Gesellschaft haben wir als Eendracht-Besatzung mittlerweile bestimmt auch unsere eigenen Eigenarten und sind sowohl im Besitz eines Maskottchens (die Ente) sowie eines kollektiven Gedächtnisses voller Erinnerungen.
 
Aber nicht zuletzt beschreibt „Segeln" eben auch Abenteuerlust, die Suche nach Adrenalin, der Wille Grenzen zu erreichen und zu überqueren (nicht nur geographisch sondern auch innerlich).
 
Auch wenn ich die ruhige See sehr genossen habe, wäre diese Reise ohne die stürmischen Tage nicht ganz vollständig gewesen. Der Sturm gerade verlangt viel von uns und den Segeln ab. Doch dafür haben wir endlich einmal ein bisschen Abwechslung, können die Kraft der Naturgewalten hautnah (mit vielen Schichten Ski-Unterwäsche und Ölzeug dazwischen) miterleben und in jeder Faser des Körpers den Bewegungen des Bootes nachspüren.
 

Letitia bei schwerer See am Helm

Letitia bei schwerer See am Helm © Lenni

Und letztlich ist es auch irgendwie schön, sich in den letzten zwei Wochen noch einmal gemütlich in der Messe verschanzen zu können, gemeinsam über den Seegang lachen zu können und draußen aufeinander zählen zu können, während es angenehm stürmt.

Alles Liebe
Letitia

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Grüße

  • Letitia: Dieser Blog ist für alle Maikinder, die im Mai Geburtstag haben. Lieber Papa, ich hoffe du hast morgen einen schönen Geburtstag mit Blumen, deinem Lieblingsessen, guter Musik, Familie, Freunden und allem, was einen perfekten Geburtstag für dich ausmacht. Ich hoffe du bist glücklich und genießt das Älterwerden gebührend. Ich stelle mir gerne vor, dass ihr als Familie lachend und glücklich zusammensitzt oder einen Abendspaziergang macht und ich kann es kaum erwarten, wieder bei euch zu sein. Jetzt sind es noch genau zwei Wochen. Ich freue mich dich in die Arme schließen zu können. Ich liebe dich sehr!!! Liebe Mama heute ist Muttertag und ich habe fest an dich gedacht. Ich habe dich heute sehr vermisst und hab mir nichts sehnlicher gewünscht, als mich in deine Arme kuscheln zu können. Gestern haben wir in der Messe gesungen und ich hab mir vorgestellt, wie du neben mir sitzt und mit mir singst und als dann ein riesen Rumps durchs Boot ging, musste ich lachen weil ich mir vorgestellt hatte, wie du reagiert hättest. Ich bin dir so dankbar, dass du immer für mich da warst mit all deiner Liebe. Ich liebe dich auch sehr und kann es kaum erwarten, dich in weniger als 14 Tagen wirklich und wahrhaftig wieder zu sehen. (Ah und bring mir bitte die blauen Converse zum Bremerhaven mit <3)
  • Finja: Ganz stürmische Grüße nach Hause! Nach der Windstille geht es mal richtig ab und das Leben mit Schräglage ist wieder am Start :) Naja wie auch immer ... ich hoffe bei euch ist alles gut! Ich freue mich schon sehr auf euch alle! Hab euch lieb! Uuund alles Gute zum Muttertag, Mama!!!
  • Julia: Liebe Grüße an alle. Ganz besonderst an Mama. Alles Gute zum Muttertag. Hab dich lieb. Freue mich drauf, euch wiederzusehen. Bosuns live ist total toll. Genießt noch die letzte Zeit ohne mich. Tschüüüüüüüss!
  • Matthias: Alles Gute zum Muttertag an meine tolle Mama!
  • Laurids: Liebe Mama alles Gute zum Muttertag, ich freue mich auf dich.
  • Maia: Beide Gänse gucken. Alles Gute zum Muttertag, liebe Mama! Ich hab dich ganz doll lieb, bis bald :)
  • Pauli: Alles Liebe zum Muttertag Mama. Hab dich lieb
  • Greta und Pauli: ALLES GUTE ZU 19 GEBURTSTAG SOLVEIG!!!!! HOFFENTLICH HAST DU ES KRACHEN LASSEN!!!!!!!!!!
  • Greta: Alles Gute zum Muttertag, Mama!! Liebe Grüße auch an Merle, ich komme jetzt wahrscheinlich direkt auf die Insel aber ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich aufs nächste Schiff direkt will ...
  • Lara: Mami, zum Muttertag, schicke ich dir eine ganz feste Umarmung und ein riesengroßes Dankeschön! Ich hab dich lieb!
  • Jonah: Liebe Grüße an Opi, Mama und Papa, passt auf euch auf! Hab euch lieb!
  • Julius : liebe Grüße an meine Mudda
  • Mateo: Alles Liebe zum Muttertag!!!
  • Mia Di: Liebe Grüße an meine Mama, alles Liebe zum Muttertag! Ich hab dich lieb und freu mich schon sehr auf dich!
  • Hannah: Liebe Grüße an meine Mama. Hab dich lieb! Liebe Grüße auch an Papa, dich habe ich natürlich auch lieb. Liebe Grüße gehen auch raus an Leo, Mariko, Mathilda, Johanna und meine Omas
  • August: Alles Gute zum Muttertag Gunda! Geniess deine Zeit und Hab dich Lieb (Dich natürlich auch Alex <3)
  • Muri: Ganz liebe Grüße an Zuhause! Freu mich auf euch! Mama, alles Gute zu Muttertag, hab dich ganz doll lieb:)
  • Mia De.: Liebe Grüße an daheim und alles Gute zum Muttertag, Mama. Ich hoffe, sie haben dir einen schönen und gemütlichen Sonntag gemacht. Hab dich so lieb! Oh und bringt mir bitte nach Bremerhaven entweder eine rosa Converse oder die bunten Sneacker mit :)
  • Inka: Liebe Mama, alles Gute zum Muttertag, hab dich lieb!
  • Luna: Viele Grüße an daheim und besonders an Mama, alles Liebe zum Muttertag!
  • Philine: Alles Gute zum Muttertag, Mama! Hab dich lieb!
  • Laura: Alles Gute zu Muttertag, ich hab dich ganz doll lieb, fühl dich umarmt und ich freue mich schon darauf, dich bald wiederzusehen!
  • Felix: Ales gute zum Muttertag Mami! Und auch an alle anderen Mütter, die ich kenne! Hab dich lieb!
  • Lea: Hiii ganz liebe Grüße nach Hause. Ich vermisse euch alle ganz doll <3 bis ganz bald!!