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Sommer-Lerncamp

22. März 2023 Weltenbummler

21.03.23; 20:37
Position: 34*25.560'N 057*09.193'W
Kurs: Raumwind (Wir fahren nicht nach einem bestimmten Kurs, sondern so, dass wir Raumwind fahren)
Geschwindigkeit: 6.2 kn
Wetter: Scheiße (Zitat: Captain), 23°C · Wind: 5 – 6 aus SW
Gesetzte Segel: Forestaysail, Mainstay sail, Main Sail (mit Reef)
Stimmung an Bord: alle gestresst wegen der Tobi-Klausuren-Phase (Physik, Politik, Mathe an 3 Tagen!!)
Schon geschaffte Klausuren in 3 Tagen: 2/3

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Ich habe vor einigen Tagen einen Brief von Verwandten bekommen, in dem sie mich Weltenbummlerin genannt haben. Weltenbummler … ein schönes Wort. Ich weiß jetzt nicht, was ihr euch unter diesem Begriff vorstellt, aber basierend auf dem, was wir in den letzten fünf Monate unserer High Seas Reise erlebt haben, erklär ich euch jetzt, was meiner Meinung nach ein Weltenbummler ist.

Johanna steht in einem Fluss in Costa Rica

Weltenbummlerin Johanna in Costa Rica © Vici
Beitragsbild oben: Johanna in Havanna vor einem Flugzeug aus Revolutionstagen © Philipp

In diesem Wort stecken mehrere Welten. Welten, welche man entweder über eine räumliche Distanz, einen messbaren Unterschied beschreiben kann oder Welten, über die man allerhöchstens erzählen kann. Welten, die durch Zwischenmenschliches entstehen und die man eigentlich einfach selber erleben muss. Es tritt auch nicht jeder durch jede Tür der verschiedenen Welten, obwohl wir alle an all diesen Türen vorbeikommen. Manche von uns sind noch nicht groß genug, um an den Türknauf zu kommen, um die Tür zu einer Welt zu öffnen, manche Welten stehen noch nicht allen von uns offen. Aber wir alle erleben auf dieser Reise diese beiden Arten von Welten.

Was ich mit den räumlichen Welten meine, ist glaub ich relativ klar. Wir befinden uns gerade am anderen Ende der Welt und lernen hier komplett neue Kulturen, Lebensweisen und Umgebungen kennen. Andere Welten.

Das mit den zwischenmenschlichen Welten, ist ein bisschen schwieriger zu beschreiben. Ich vergleiche es ganz gerne mit den Türen. Stellt euch vor, ihr geht durch einen langen Gang. Dieser Gang ist unendlich lang und links und rechts von euch befinden sich überall Türen. Dieser Gang beschreibt den Verlauf eures Lebens und die Türen führen in neue Welten. Mit neuen Welten mein ich hier vor allem neue Erkenntnisse, die man im Laufe seines Lebens macht. Ich meine nicht solche Erkenntnisse, wie dass man lieber das Licht ausmachen sollte vor dem Gehen. Dafür öffnet sich höchstens ein kleines Fenster. Nein, ich meine Erkenntnisse, die man oft gar nicht vermitteln kann. Erkenntnisse, die man durch Erfahrungen gewinnen muss. Erkenntnisse, die Lebensweisen und Weltanschauungen verändern können. Etwas Größeres, als das, was man im normalen Alltag lernt und was man so erfährt. Ich meine Erfahrungen, die einen wirklich prägen. Und all diese Türen, manche auch vielleicht nie, öffnen sich von Zeit zu Zeit und geben die Sicht und den Zugang frei auf neue Welten. Andere Welten.

Wir reisen durch beide. Wir reisen ans andere Ende der Welt, um dort die verschiedensten Kulturen kennenzulernen, aber wir reisen auch durch unsern Gang mit den Türen. Wir reisen ein ganz schönes Stück da durch und es öffnen sich unzählige Türen für uns. Das ist eine der Sachen, die High Seas ausmachen. Wir reisen durch Welten. Langsam, konstant, aber wir nehmen überall etwas mit. Wir sind Weltenbummler.

Weltenbummler … könnte auch heißen, dass wir einfach durch die Welt bummeln. Passt irgendwie auch. Besonders bei Flaute, dümpeln wir ja auch nur umher. Vielleicht machen wir dann räumlich nicht besonders viel Weg, aber auch bei Flaute hören wir ja nicht auf, dem Gang zu folgen. Wir dümpeln umher, dümpeln durchs Leben. Ich glaube, dass haben wir alle aus den mittelamerikanischen Ländern mitgenommen. Pura Vida und so …

Blick aus dem Bus auf die Panamericana

Im Bus mit weitem Blick über die Panamericana © Johanna

Hängematten unter Palmen

Wie man auf der anderen Seite der Welt lebt © Vici

Die wirklich wichtigen Türen, die großen, schweren öffnen sich nämlich nur, wenn man sich die Zeit für sie nimmt, wenn man ganz genau hinschaut. Wir hetzten mittlerweile nicht mehr gestresst durch die Welt, wir dümpeln und nehmen uns die Zeit. Die Zeit, das Schlüsselloch zu finden. Es ist oft schwierig sich nicht vom Stress des Alltags mitziehen zu lassen, vor allem wenn man kein unendlich weites Meer vor der Haustür hat und einen zumindest dort nicht viel ablenken kann, aber genau das ist die Aufgabe, der sich viele von uns stellen müssen, wenn wir wieder zuhause im gehetzten Deutschland sind. Auch ohne den Ozean den Blick für das Kleine nicht zu verlieren und auch Zuhause die Welt wieder neu entdecken zu können. Auch dort durch die Welt bummeln zu können.

Denn wir sind Weltenbummler. Noch sicher geschützt vom Blau.

Johanna

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Grüße:

  • Emma: Alles Gute nachträglich zum Geburtstag, Papa!
    Von uns allen alles, alles liebe zum Geburtstag an unsere 44te Person!! Wir haben dich lieb <3
  • Vici: Liebe Mama, alles Liebe und Großartige nachträglich zum Geburtstag! Wenn ich wieder da bin, essen wir Torte zusammen! Ich hoffe, du hast einen famosen Tag. – deine Lieblingstochter
  • Philipp: Alles Gute Nachträglich zum Geburtstag Julia! ;-)