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Sommer-Lerncamp

15. Juni 2022 Gangway und normale Watch

Hey ihr Landratten,

was wer wann macht, ist auf der Gulden Leeuw nach den sogenannten Watches (= Wachen) geregelt. Eigentlich sind alle in vier unterschiedlichen Watches eingeteilt (auch die Lehrkräfte, die müssen auch mitarbeiten!): die red, white, blue und orange Watch. Ist eben ein niederländisches Schiff, was mir aber vorher gar nicht so klar war. Allerdings gilt dieser Wachplan nur auf See. Im Hafen gibt es eine Gangway Watch mit ganz anderer Einteilung und immer zwei Stunden Schicht statt wie normalerweise vier.

Gangway Watch ist eine ganz hervorragende Sache, vorausgesetzt man kann die Stunden von 22:00 bis 0:00 Uhr bekommen und nicht zum Beispiel 2:00 bis 4:00 Uhr oder so. Die Idee ist, dass man die Gangway bewacht, das Schiff vor Dieben verteidigt und aufpasst, dass weder Galley (Kombüse) noch Laundry (Wäscherei) oder Freezer (Tiefkühler) brennen. Tatsächlich machten wir alle halbe Stunde einen Sicherheitsrundgang plus Checkliste und notierten die Kühlschranktemperatur. Sehr gewissenhaft haben wir auch die mooring lines (Festmacher) kontrolliert. Einfach professionell – wir lagen nur eben im Hafen.

Überraschenderweise hat es weder im Kühlschrank noch in der Waschmaschine gebrannt. Nichts bewegte sich auch nur einen Millimeter. Diebe gab es keine (zumindest keine, die nicht zur Besatzung gehörten …). Also haben wir uns beim Laut-Musik-Hören wirklich sehr an Jokolade und Nüssen über(fr)essen, Schach gespielt und geredet („Ich mag keine Menschen“ – „Wenn das Schlangen wären“) und an den Säulen polegedancet (kein Kommentar). Wobei, es passierte doch was: einmal rief uns Kay auf dem Walkie-Talkie an zum Flagge-Einholen. Nach dieser totalen Aufregung waren wir um halb eins im Bett.

Heute dagegen hatte ich Watch von 4:00 bis 8:00 Uhr. Vier Uhr Morgens. Das hatte überraschenderweise zwei große Vorteile: Gerade als wir uns zum Wachenstart versammelt hatten, kam das Signal für ein All Hands Manöver. Das heißt, alle Watches müssen raus und Segel setzen/einholen, ganz egal, ob sie gerade vorher schon vier Stunden Watch hatten oder nicht. Und da hatte ich in der Red Watch natürlich Glück, dass ich sowieso schon aufgestanden war und nicht noch um den Schlaf betrogen wurde.

Morgendliches Segel trimmen auf der Gulden Leeuw

Segel trimmen um 4:42 Uhr auf der Nordsee © Vici

Nachbesprechung des Segel-Manövers

4:56 Uhr – Nachbesprechung des all-hands-call © Vici

Moritz am Steuer

Moritz am Steuer @ Vici

Titelbild: Ferdinand als »starbordside-lookout« und Nele als »helmsperson« © Vici

Während der Watch haben wir dann endlich die Segel gesetzt – momentan fahren wir mit fast allen Segeln, die wir gerade haben (Flying Jib, Inner Jib, Upper und Lower Top Sail, Mainstaysail, Main Sail und Mizzen) – und ich bin jetzt ziemlich sicher, dass ich nach der Reise total Hornhaut an den Händen haben werde. Aber es hat sich gelohnt, wir sind mit vollen Segeln an Helgoland vorbeigefahren und jetzt schon viel weiter. Außerdem ist gefühlt die Hälfte von uns früher oder später seekrank geworden und es hängen immer ein paar Leute über der Reling. Die fühlen sich „wie auf ner schlechten (Königsteiner) Hausparty“ (Nika).

Leute, ich fühle wirklich mit euch, aber irgendwie auch nicht, denn mir geht’s bisher gut. Mal sehen, ob das so bleibt. Jetzt versuche ich jedenfalls bei ziemlicher Krängung die Dusche zu benutzen (eine Minute!).

Liebe Grüße von irgendwo auf der Nordsee

Cal

PS: Der zweite Vorteil von der Vier-Uhr-Watch ist, dass die Sonne währenddessen aufging und die Nordsee wirklich sehr strahlend blau war.