10. April 2023 Bloghandover: Teil 2

9.4.2023 19:25 Uhr
Position: Nordatlantik 42°52.215’N 24°12.620‘W
Kurs: 25°
Geschwindigkeit: 6 Knoten
Wetter: bewölkt
Temperatur: 19,2°C
Windstärke und -richtung: 3 SW
Gesetzte Segel: outer jib, top gallant, upper topsail, lower topsail, course
Stimmung: Ich fragte in die student mess: Die Stimmung sei hoch (Aufwärmübung mit erhobenen Armen für den Chor), genauso hoch wie das Hoch über dem Atlantik (höhöhö). Ansonsten suchen einige noch immer ihren Osterhasen, lernen für den SBF oder chillen beim gemeinsamen Kartenspielen. Ein richtiger Sonntag an Bord.

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Bloghandover 
Teil 2 von 2: Jetzt aber wirklich das Handover

 

Das große Ziel dieser Reise ist ja …

  • … die Welt zu sehen?
  • … segeln zu lernen?
  • … zu beweisen, dass die Erde nicht flach ist?
  • … herauszufinden, dass jede Handlung Konsequenzen hat?
  • … zu erfahren, ob man mehrere Tage ohne Schokolade überlebt?
  • … zu lernen, wie man sich am besten schlafen stellt (Idle-Hands-Call)?
  • … ganz viele Menschen kennenzulernen, mit denen man danach weiterreisen kann?
  • … Selbstbeherrschung zu entwickeln, wenn andere Süßigkeiten in der Pantry haben und man diese NICHT essen sollte?
  • … zu erkennen, wie wichtig es ist, im Team zu arbeiten?

Nicht nur, es ist natürlich:

  • … das Übernehmen von Verantwortung!


Das passiert natürlich zum Einen unvermeidbar nebenbei, aber zum Anderen auch konzentriert zu bestimmten Zeiten oder Aktionen. Eine dieser Aktionen sind die großen und kleinen Handover: Wir haben natürlich die mehrtägigen Handover des Schiffes an die Jugendlichen, aber auch kleinere Handover, die nebenher laufen oder auch als Gruppe übernommen werden können. Dazu gehört auch das Handover dieses Blogs und das ist durchaus eine Menge Arbeit, die auch konstant da ist, egal ob wir auf See oder an Land sind (siehe dazu den ersten Teil dieses Blogbeitrags).

Wie im vorherigen Artikel erwähnt, halfen die Jugendlichen von Beginn an motiviert mit und sorgten dafür, dass ihre Ideen umgesetzt wurden und übernahmen proaktiv Aufgaben. Vor Bermuda schob ich dann das große und umfassende Handover der Blogtätigkeiten sowie der Social Media Beiträge an. In unserem täglichen mustering hoben einige Motivierte die Hände, zum folgenden gemeinsamen Lunch kamen dann immer noch Valentina, Nele, Annemarie, Jule und Johanna: Das neue Blog-Team war gefunden!

Wir stellten die zu erledigenden Aufgaben zusammen und sie teilten sich zu: Nele übernimmt die Betreuung der Blogtabelle an der Afttür und stellt sicher, dass es immer im Voraus Menschen gibt, die Artikel schreiben wollen und sich die Themen/Textarten auch abwechseln. Zusammen mit Jule übernimmt sie zudem den Part des Hochladens der Texte über die verschiedenen Kanäle. Jule kümmert sich dazu auch um das Einsammeln (und Benennen!) sämtlicher Fotos von allen möglichen Kameras und SD-Karten (letztere sind auch immer weg). Annemarie und Valentina sind unser neues Social Media Team und die beiden kümmern sich zusammen mit Johanna um das Gegenlesen und Besprechen der Artikel mit den jeweiligen Verfasser*innen.

Ich hatte noch ein weiteres ‚To-do‘ auf der Liste: Ins Café gehen und dort Artikel gegenlesen, Kohärenz prüfen und im Hinblick auf Passgenauigkeit für die Adressat*innen checken, lernen, wie der HiDrive [unser Online-Tool] funktioniert, Fotos strukturiert abspeichern, Social Media ‚professionell‘ verwenden usw. usw.
Hierfür trugen sich alle fünf Mädels ein.

Unsere Redaktion-Ausrüstung im Café © Vici

So lässt es sich arbeiten! © Vici

Am Vormittag des 17. März in St. George auf Bermuda ging es dann los: mit Texten, Laptops, Kabeln, USB-Sticks und Papier im Gepäck erstmal in den Second-Hand-Laden, frei nach dem Motto: Erst das Vergnügen, dann die Arbeit. Da waren wir uns einig. Der hatte aber leider noch zu und dann doch erstmal die Arbeit. Ich hatte vorher nach einem nettem Café geschaut, wir bestellten munter alles, was es an Bord nicht gibt: Cappuccino, Iced Flat White, Heiße Schokolade mit Sahne, Zimtschnecken und Schokocrossaints. So lässt es sich arbeiten.

Es wurden die Laptops vorbereitet, Jule hatte an einen Steckdosenadapter gedacht und wir legten los. Annemarie und Valli starteten mit den ersten Stories bei Instagramm, Johanna sichtete einige Blogartikel auf Rechtschreibung (wir haben nun einige auf Lager, weil alle als 2. Klassenarbeit in Deutsch Blogartikel abgegeben hatten) und Jule sortierte Bilder im Accord, für die Nele die Ordner vorbereitete. Kurz nachdem wir starteten, nagelten die Kids mich fest: „Vici, du sagst doch immer, dass jede*r Name mindestens einmal [innerhalb eines bestimmten Reiseabschnittes] auf der Liste an der Afttür stehen soll?“ – „Ja, richtig.“ – „So und wir machen jetzt den Blog und dein Name steht da nicht. Schreib‘ mal einen Blog!“ Nun, da hatten sie mich, das Ergebnis lest ihr gerade.

Es wurden jetzt zwei Artikel, mein Blog-Team ist zufrieden. Hier zitierten sie mich mit: „Zwei Artikel sind prima, im Internet ist ja noch Platz, wie du selbst sagst.“

Valli und Annemarie starteten eine Fragerunde über Instagram-Stories, hauten erfolgreich in die Tasten und beantworteten Fragen maximal authentisch, mega Idee! Sie erstellten auch gleich zwei Posts, waren aber sehr vorschnell und vergaßen dabei, einige Aspekte zu beachten. So erkannten die Jugendlichen, dass man auf jeden Fall mehr Zeit benötigt, um einen qualitativ guten und aussagekräftigen Instagrampost zu erstellen. Für mich nahm ich mit, dass ich meinen Perfektionismus herunterschrauben muss und die Mädels meldeten mir völlig zu Recht zurück, dass ich sie machen lassen soll.

Nele war fleißig mit dem HiDrive beschäftigt und wir durften einen großen Teil der vorhandenen Steckdosen des Cafés benutzen. Passend dazu [ich bin schließlich Deutschlehrerin] unterstützte uns dabei das Scrabblespiel des Cafés mit dem Stützen des Steckdosenadapters.

Unser Stromverteiler braucht physische Unterstützung vom Scrabble-Spiel © Vici

Wir vertauschten auf unserer Liste für die kommenden Blogartikel leider den Wochentag [Wer weiß schon, welcher Tag heute ist?] und luden dementsprechend den ‚falschen‘ Artikel für den Tag hoch, naja, kann ja passieren. Beim Gegenlesen von Artikeln (die als Klassenarbeit abgegeben wurden!) sah ich in verwirrte Gesichter: „Vici, ich verstehe nicht, worum es hier geht. Wie gehst du jetzt vor?“

Hier war ein Zuckertief zu erkennen, also bestellten wir noch eine Runde Gebäck. Es wurde munter weitergelesen und getippt, die fleißigen Hasen verpassten vor lauter Einsatz sogar den Ausflug zu einer der vielen Höhlen auf Bermuda! Wir schafften natürlich bei Weitem nicht das, was wir uns vornahmen, aber das ist oft so. Johanna übernahm nicht nur meine Blogtätigkeiten, sondern auch die Aufgabe, Dankeskarten an Menschen und Orte zu schreiben, auf die wir während unserer Reise treffen. Sie verfasste eine Karte an die Besitzerin des Cafés und weil dieses schon zu hatte, schoben wir diese professionell unter der Tür durch.

Johanna übernimmt die Post © Vici

Jetzt aber zum Second-Hand-Laden und damit ins Vergnügen! Uns kamen schon einige High Seas Menschen mit neuen Errungenschaften entgegen, schnell sein war angesagt. Wir probierten Outfits, mit denen wir officemäßig erwachsen aussahen. Wir verwandelten uns in Golfergirl und Burgfräulein und in Kartoffelsack 1 und Kartoffelsack 2. Wir berieten uns alle gegenseitig, erkannten, dass Jule selbst dann noch ihre Mütze trägt, wenn sie auch ihren Hut trägt und ergatterten schlussendlich alle ein neues Kleidungsstück. Teambuilding-Maßnahme sehr erfolgreich!

Klamotten ausprobieren mit Spaß – hier Valentina und Annemarie © Vici

Johanna und Jule im »Kartoffelsack« © Vici

Annemarie seriös © Vici


In den folgenden Tagen und Wochen waren die Mädels sehr fleißig und machten mich zum Teil arbeitslos – großartig! Ich hätte den Blog schon viel früher übergeben sollen, dass war eine der großen Erkenntnisse meinerseits. Das, was ich jetzt noch mache, ist nachfragen, ob ihnen bewusst ist, dass schon wieder Sonntag-, bzw. Dienstag- oder Donnerstagabend ist („Was? Wir haben doch erst einen Blog hochgeladen?!“) und mich mental ein bisschen entspannen, die Kids machen das schon. Jetzt geben sie mir Aufgaben, sagen, wo sie Hilfe brauchen und stellen sehr sinnvolle Fragen. Auch die Codewörter für die Satellitenkommunikation sind kreativer geworden, heute war es: Joghurt mit Gummibärchen.

Fröhliche Grüße von Bord
Vici 

PS: Von Nele: Da Vici uns alle immer „Hasen“ nennt (siehe Blogartikel) nennen einige von uns sie jetzt „großer Hase“!

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Grüße:

  • Anna: Bussi an Mamsi, Papsi und Gugelhupf.
  • Johanna: Ganz liebe Grüße an Oma und Opa und an die Emmi.
  • Nathalie grüßt Mama und ihre Lieben in Wien, Berlin, Hamburg, Hannover, Dresden, Leipzig und dem Bodensee.
  • Charlotte: Liebe Grüße an Tante Rosemarie: Alles Gute zum Geburtstag!
  • Annemarie: Frohe Ostern an alle zuhause! Und herzlichen Glückwunsch an alle April-Geburtstagskinder. Vor allem Jana, Omi, Hanni und Leon! Feiert schöni! Hab euch alle ganz doll lieb!
  • Freddy: Viele Grüße, Mama, Papa, Moritz, Philipp, Julius, Lotti! Ich hoffe, ihr hattet ein schönes Ostern und wünsche euch noch einen tollen Urlaub auf Langeoog!
  • Nika: Liebe Grüße an Familie und Nono. Sind meine Briefe angekommen?
  • Jule: Ich grüße Jouke und die Leute auf der Ambulant und hoffe, ihr habt ganz viel Spaß. Und sonst wünsche ich allen anderen auch noch frohe Ostern.
  • Vici und Valentina grüßen alle Lieben von der Summer High Seas auf den Johann Smidt! Dicken Bussi an Fritzi, Johannes, Selma und Anabel.
  • Tobi grüßt seinen Seelenbruder Martin.
  • Tom grüßt seine Familie und schickt ganz viel gute Laune! Das soll ich (Vici) zumindest von ihm ausrichten. Er selbst dreht grade während des Aufwärmens für den sonntagnachmittäglichen Chor frei. (
  • Lia: Liebe Grüße an Familie und Freunde. Frohe Ostern!!
  • Nele: Mir geht es gut, Ostern war ganz anders als zuhause, wir haben zwar auch Schokoosterhasen und -eier gesucht war aber trotzdem nicht das Gleiche! Ich vermisse euch alle ganz doll und freue und genieße aber gleichzeitig auch die Zeit hier an Bord. (: Ganz herzliche Grüße an alle zuhause.
  • Jana: Viele Grüße und frohe Ostern an meine Familie und Freunde, und für die Kleinen: Viel Glück beim Eiersammeln.
  • HSHS: god påske to Markus & Signe. We miss you a lot!