28. November 2022 Alles anders

Position: 13°54.910'N, 43°11.739'W
Kurs: 315° · Geschwindigkeit: 5.7 kn
Wetter: sonnig und wolkenlos · 27°C
Wind: 3 aus Ost
Stimmung an Bord: glücklich, wir backen Kekse und aktuell hat niemand Läuse
bisher zurückgelegte Seemeilen: hier stand 5.137 nm, aber das kann eigentlich nicht stimmen

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Huhu ihr Lieben da draußen,

da mir zu Ohren gekommen ist, dass sich viele Sorgen machen, dass uns auf dem Atlantik langweilig wird und damit ihr euch keine Sorgen machen müsst, kann ich euch ganz klar beruhigen: NEIN!! Unser Tag ist sehr stark durchgeplant und nichts für schwache Nerven.
Im „normalen Leben“, naja was heißt schon normal, läuft der Tag für jeden anders ab, aber für die, die nicht auf dem Wasser sind, besteht der Alltag für die meisten Jugendlichen wahrscheinlich aus einem relativ frühen Aufstehen, etwas essen, sich fertig machen und das Haus verlassen, um sich auf den Weg zur Schule zu begeben. In der Schule werdet ihr euch dann so 6 – 8 Stunden aufhalten und dann wieder nach Hause gehen.  Den Nachmittag seid ihr vielleicht mit Hausaufgaben, Hobbys, Bücher lesen, Filme schauen oder mit irgendwelchen anderen Dingen beschäftigt, bis ihr dann etwas früher oder später ins Bett geht. Für die Leute, welche wissen wollen, wie ein Tag auf See abläuft, wollte ich euch einen kleinen Einblick geben.


Mein Tag hier:

Ich habe das Glück, die 0 – 4 Wache zu haben und das meine ich zu 100 % ernst (wenn ihr mehr über unser Wachsystem wissen wollt, lest euch gerne den Blog von Charlotte, Anika, Laura und mir über das System durch). Mein heutiger Tag, der 24.11.2022, begann für mich um 0:00 Uhr, naja eigentlich eine halbe Stunde früher, weil ich um 23:30 Uhr aufstehen musste, um pünktlich um 0:00 Uhr bei meiner Wache zu sein. Dort stellte ich mich dann direkt an den Helm (also ans Steuerrad).

Am Anfang jeder Wache erzählt uns Kay (Officer of the Watch), was wir ungefähr die nächsten vier Stunden machen werden. Diese Pläne hatten sich diesmal aber ziemlich schnell geändert, weil ein Piepen, welches ich zunächst für das Signal für das zu starke Abweichen vom Kurs meinerseits gedeutet hatte, obwohl ich perfekt den Kurs hielt, ertönte. Kay ging nachschauen und die nächsten Minuten füllte sich die Bridge auch mit Tjaard (Deckhand), unserem Kapitän Sjoerd und dann auch unserer Ärztin Gesine.

Eine Stunde später berichtete uns Kay, was passiert war: Wir bekamen eine „mayday distress“-Nachricht von einem Schiff (bzw. von dem Kommunikationszentrum in Fort de France, welches die Nachricht weiterleitete), dass ca. 300 Meilen von uns entfernt war. Dort stand nur, dass zwei Personen auf einer Segelyacht (Name lassen wir weg) schwer verletzt sind und ärztliche Hilfe benötigen. Es wurde also Gesine geweckt und der Kapitän hat geantwortet, wo wir uns befinden, welches medizinische Equipment wir an Bord haben und welche Qualifikationen unsere Bordärztin hat. Dann warteten wir auf die Antwort, die nach einer weiteren Stunde kam: Man dankte uns für unser Hilfeangebot, aber wir wurden nicht zur Hilfe aufgefordert. Höchstwahrscheinlich war ein anderes Schiff näher dran.

Im weiteren Verlauf meiner Wache durfte ich das Meer leuchten sehen, voll cool! Nach der 4:00 Uhr Wache ging ich schlafen und stand um 8:00 Uhr auf, um einen Pfannkuchen zu essen (ein großes Danke an die Galley). Nach dem Frühstück ging ich dann direkt in mein schönes Betti und schlief bis 10:30 Uhr, da um 11:00 Uhr Sailorship war (das ist eine Schulung, in der wir z.B. lernen Segel zu setzen oder alles über die Sicherheit an Bord).

Nach dem Sailorship ging es zu unserem Mittagessen um 12:00 Uhr. Es gab Lachs, Brot, Eier und Salat. Nach dem Mittagessen mussten wir unseren Responsibilities nachgehen. Das heißt, jeder muss sich um einen bestimmten Bereich am Schiff kümmern und ihn sauber machen (z.B. die Toiletten das Deck und vieles mehr). Nach dem Putzen konnte ich mich noch ein bisschen auf die Schule vorbereiten, welche um 14:00 Uhr begann.

Täglich putzen – hier im Schlafsaal

Täglich »Responsibility« – Luna freut sich über einen aufgeräumten Dorm © Nele

Bis 15:30 Uhr hatte ich dann Biounterricht. Um 15:30 Uhr wurde dann ein sehr leckerer Food Snack serviert: Apfel, Orange und Papaya. Um 16:00 Uhr begann der Spanischunterricht, welcher um 17:30 Uhr endete. Wenn ihr denkt, dass wir nun Freizeit haben, kann ich euch sagen: nein, noch nicht. Um 17:30 Uhr ließ ich aufgrund der kleinen Besucher bei uns an Bord (also die Läuse) meine Haare auf Läuse kontrollieren – negativ, keine Laus gefunden. Nach dem Kontrollieren gab es um 18:00 Uhr Abendessen, und zwar leckere Würstchen und Kartoffelbrei. Ich sag‘s euch, je besser das Essen, umso besser die Stimmung.

Um 19:00 Uhr fand unser tägliches Meeting (Mustering) statt. Dort wird besprochen, wie viele Meilen wir zurückgelegt haben und was es Neues gibt. Wir sind gerade auf der Mitte des Atlantiks, einfach nur wow. Zu unserem Mustering wurden wir mit Weihnachtsmusik empfangen. Heute ist der 24.11., heißt noch einen Monat bis Weihnachten! Nach dem Mustering ging es dann wieder an unsere Responsibilities. Um 20:10 Uhr hatte ich dann Freizeit und wir haben alle zusammen eine Doku über Instagram geschaut, denn es ist Do-Do („Doku - Donnerstag“ – Zitat von unserem Dad-Joke-Experten Tobi).

Um ehrlich zu sein, ich vermisse mein Handy nicht und um unsere lieben Pädagog:innen zu zitieren „genießen wir die Zeit offline“. Um 21:00 Uhr habe ich dann noch einen kleinen Blick in die Küche geworfen, um ein paar Leuten beim Geburtstagskuchenbacken zuzuschauen. Um 22:00 Uhr legte ich mich jetzt endgültig in mein Bett bis 23:30 Uhr – yey.

Ich hoffe, ihr konntet nun einen kleinen Einblick in unser bzw. in mein Bordleben bekommen und denkt nicht, dass uns irgendwie langweilig wird, denn das ist absolut nicht der Fall. Ich bin immer froh, mal auf das Wasser zu schauen oder nicht müde zu sein und zu schlafen oder wie wir hier sagen „we don‘t sleep we only take a rest“ oder so ähnlich.

Luna

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Grüße von uns:

  • Charlotte: Ganz liebe Grüße an Kochs. Danke für alles!
  • Laura: Viele liebe Grüße an meine Familie! Habe euch lieb!
  • Valentina: Schönen Advent an alle zu Hause!
  • Maja: Ich grüße alle meine Iren, kuss an euch! <3
  • Tjark: Grüße gehen raus an meine Familie, Dena und dich T. Nächstes mal Zusammen mit Moargenland übern Teich ;-)
  • Florentin: Liebe Grüße vom Mid Atlantic an Familie Tröger und an dich Julia, guten Start in die Adventszeit an euch alle.