9. März 2026 Vorbereitung auf das große Handover
Datum: 8.3.2026, 15 Uhr
Aktuelle Position: auf H2O und Salz -
ungefähr bei 15°49.5 N, 080°37.5 W
Ziel: Cienfuego (Kuba) (vorher ganz kurzer Halt auf Grand Caymon, um ein Crewmitglied abzusetzen)
Wetter: Sonne und Wolken, windig aber angenehm warm
Stimmung an Bord: von Müdigkeit über Seekrankheit bis zu Motivation einige Stunden Sailhandling zu betreiben, ist alles dabei
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Das Internship – die Vorbereitung
für das Handover ist in vollem Gange
Hallo an alle Leute an Land!
Vor knapp einer Woche haben wir uns von Panama und Costa Rica verabschiedet und haben die Segel mit Kurs auf Kuba gesetzt. Seitdem gibt es wie immer viel zu tun an Bord. Da nach dem Landaufenthalt auf Kuba ein Handover stattfinden soll, sind alle drauf und dran, sich in ihre Positionen intensiver einzuarbeiten.
Die Bewerbungen und Zuteilungen sind bereits vor dem einmonatigem Verlassen des Schiffs durchgeführt worden. Entschieden wurde durch beispielsweise den Fortschritt im Sail Training Record Book (da ging dann auch in der Bewerbungszeit das Rennen nach Unterschriften los haha), die Bewerbung an sich und generell die Einschätzung von Crew und High Seas Team. Um es fair zu verteilen durfte man drei Wunschpositionen angeben, wovon eine eine High Seas Position sein musste, also eine Aufgabe, für die ein Pädi hier im Moment verantwortlich ist, wie z.B. Finanzen oder Materialmanagement.
Im Folgenden werde ich ein bisschen davon berichten, wie das ungefähr aussieht, abläuft, was so Stand der Dinge ist, auch insbesondere in meiner Position.
Die meisten von uns stecken schon tief in den neuen Rollen und lernen den Job noch mehr lieben oder erleben auch Facetten, mit denen sie nicht sofort gerechnet hätten. Zu Bemerken ist aber auf jeden Fall die harte und leidenschaftliche Arbeit!
Die Bosuns sind tagtäglich jeweils zu zweit in ihrer 12 Stunden Bereitschaft, in der sie sich um Instandhaltung des Schiffes und der Materialien kümmern, indem sie Seile reparieren oder den Deckwash anleiten, und das Sailhandling leiten und überprüfen. Auch das Garbage-Management gehört in ihren Aufgabenbereich. Zitat von Bosun Lisbeth: „Freizeit gibt es regelrecht nicht, aber wir Bosuns sind trotzdem voller Motivation und halten die Eendracht klar Schiff.“
Unsere Schüler-Bosuns Jonah und Philine reparieren einen Kicking strap © Finja
Die Köche zaubern mehrmals am Tag ein abwechslungsreiches, leckeres und selbstkreiertes Essen, das mit ganz viel Liebe zubereitet wurde und wirklich sehr gut ist.
Vicente (Koch), Julius, Ana und Mia De geben alles in der Galley © Vici
Die Officer planen schon die nächsten Reiserouten und eignen sich viel Kenntnis über Navigation an.
Schüler-Captain Tijn berichtet im Mustering, wo wir uns befinden ... Chief Officer Rutger (links) und Captain Shee (rechts) behalten alles im Blick © Vici
Auch die Engineers sind bei vielen Aktionen dabei und lernen alles über die Technik an Bord im Detail. Und in den HSHS Positionen geht es los und die ersten betreuten Aufgaben werden verteilt, wie die Übersicht der Unterrichtsstunden oder die Landplanung, die Stück für Stück übertragen wird. Natürlich ist noch nichts perfekt, aber es wird jeden Tag daran gearbeitet, nach und nach ein Profi zu werden.
Seit dem Internship (Praktikum) ist der Tagesplan und die Organisation übrigens ein kleines bisschen verändert worden. Es gibt immer noch zwei Unterrichtsgruppen und Montag bis Samstag Unterricht für alle. Die Watches sind eindeutig klein und ebenfalls um eine Person mehr oder minder minimiert, da einer immer Officer ist. Auch die Captains sind als Officers eingesetzt, aber mit der Ausnahme auch bei Captain-Angelegenheiten aufgeweckt zu werden. Also immer dann, wenn der richtige Captain auch geweckt wird.
Ein Watchleader pro Watch wird trotzdem jedes mal auserkoren. Das Bosun-Quartett teilt sich die 24 Stunden in jeweils 12 Stunden Bereitschaftsdienst auf, sodass immer entweder Jonah und Philine oder Lisbeth und Hauke im Standby sind.
Die Galley teilt sich für morgens und abends auf.
Die Zeitslots werden erstmal gleich bleiben, nur die Tageszeit (also ob morgens oder abends) variiert. Alle High Seas Positionen arbeiten trotzdem in Watches als Deckhands. Insgesamt haben wir im Moment drei Watches, die die aufgeteilt sind in A und B.
Falls während der Manöver mehr Hände gebraucht werden, wecken wir als erstes die andere Hälfte der Watch. So kam es in der letzten Woche mehrmals dazu, dass der B-Teil der White Watch mitten in der Nacht, für eine Wende geweckt wurde. Wie auch vorher gibt es die Red, White und Blue Watch. Neu ist die No-Watch, darin sind die Leute, die keine festen Watches haben, also die Engineers, Bosuns und Cooks. Das ist so einfach praktischer für das Mustern.
Hier mal eine Liste, wer welche Position belegt:
- Captain: Muri, Tijn
- Chief Officer: Paul, Finja
- Officer: Hannah, Ole
- Bosun: Jonah, Philine, Hauke, Lisbeth
- Engineer: Matthias, Mateo
- Cook: Ana, Mia De, Julius, Inka, Laura
- Projektleitung: Felix, Lara
- Materialmanagement: Laurids, Julia
- Schutzkonzeptbeauftragte: Lenni, Lenya
- Blog / Instagram: Luna, Mia Di, Leopold, Carita
- Medical Assistants: Letitia, Lea, Liv
- Unterrichts- / SBF-Planung: Pauli, Greta
- Finanzteam: Linda, Lilly
- Landstayplanning: Bene, August
- Vertrauenspersonen: Maia, Leander
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Nun folgt beispielhaft ein kleiner Einblick in meine bisherige Praktikumserfahrung:
Mein normaler Tag als Chief Officer Lehrling
Der Tag startet damit, dass ich zwischen 3:30 Uhr und 3:45 Uhr für meine Watch geweckt werde, denn die 4–8-Watch ist immer die Watch des Chief Officers der Crew. Noch etwas müde und im Aufwach-Modus gehe ich – natürlich mit Lifevest, denn es ist ja noch dunkel – in die Innerbridge. Pünktlich handovert der vorherige Schüler Officer Ole seine Watch an mich, indem wichtige navigationstechnische Informationen weitergegeben werden, wie Kurs, Wind- und Wetterverhältnisse, die Verkehrslage im Umkreis und besondere Vorkommnisse sowie, was zu beachten ist.
Danach übernehme ich die Watch, natürlich stets mit der Unterstützung des offiziellen Chief Officers Rutger. Dann wird kurz in das Night Orders-Buch geschaut, in das der Captain wichtige Informationen schreibt, und auch mitteilt, unter welchen Umständen er insbesondere geweckt werden soll. Anschließend überprüfe ich sowohl die Anwesenheit der restlichen Watch (in meinem Fall sind es Laurids, Maia und Lenya und Pien, eine Watchleaderin der Crew) und die Bridge Einstellungen z.B. des Radars.
Finja checkt das ECDIS auf der Innerbridge © Tijn
Danach kommt es ganz auf die Verhältnisse an, was in der Watch passiert. Meist schaue ich aber raus auf die Outerbridge, um nach den Segeln und vor allem dem Steuern zu gucken. Gegebenenfalls sind dann Anweisungen oder Korrekturen vorzunehmen, die von den anderen ausgeführt werden. Dazu gehören Sailtrimming und Kurswechsel.
Außerdem wird während der Watch natürlich das Logbuch geführt, in dem man die stündliche Position, Kurs, Variation, Deviation, Wetterangaben und weiter Besonderheiten einträgt. Ab und zu wird auch eine Position in die analoge Karte eingezeichnet. Meist führt man noch ein paar fachliche Gespräche über Einschätzungen oder bekommt Erklärungen.
Im Moment wird auch recht viel gerechnet, denn morgens wird immer die exakte Zeit des Sonnenaufgangs berechnet. Eigentlich total verrückt, denn in jedem Meter der Welt lebt man quasi in einer anderen Zeit, da auch der Sonnenaufgang schon im kleinsten zeitlich verschoben ist. In der Dunkelheit wird ein Azimut mithilfe der Sterne gemacht, um den Gyrocompass auf seine Richtigkeit zu kontrollieren.
Sonst wird mir über Deck- und Safetyrounds oder Steuerpersonenwechsel berichtet oder ich werde gefragt, ob die Decklights angemacht werden dürfen, also habe ich oft die allgemeine Verantwortung. Nicht zu vergessen sind auch die Wetterreports, die ich für eine meterologische Station in den Niederlanden absende. Zudem bin ich stets aufmerksam, ob der Engineroom-Alarm oder einer der weiteren ertönt.
In den letzten Tagen haben wir ein paar mal gewendet, auch um 5 Uhr morgens. Dafür muss man immer unter Absprache mit dem Captain die Bosuns und Deckhands wecken. Während einer Wende gibt man Signale zur Kommunikation, denn schließlich ist der Officer derjenige, der gefragt wird, ob alles klar geht, und leitet das Steuern an, indem man konkrete Angaben gibt.
Ich lerne auf jeden Fall jedes Mal eine ganze Menge dazu.
Kleiner Funfact des Officer Daseins: Wenn es regnet, flüchtet man unter dem Vorwand Wichtiges tun zu müssen (z.B. Logbuchführen) in die Innerbridge, während die Watch draußen sitzt und jemand von der Outerbridge steuert und das Sailhandling betreut.
Das ist ein mehr oder weniger ungeschriebene Regel, die das Officer Leben entspannt wirken lässt – aber meiner Meinung nach ist es alles andere, klar auch mal entspannt, aber unglaublich vielfältig, verantwortungsvoll und so viel mehr.
Ich bin schon ganz gespannt, wie es in der nächsten Zeit bis nach Kuba weitergeht und, wie das geplante Handover danach laufen wird. Wir werden euch in jedem Falle auf dem Laufenden halten.
Ahoi vom Meer!
Bis zum nächsten Blog!
Finja

Grüße:
- Finja: Liebe Grüße an Mama und Papa. Ich habe heute den Sonnenaufgang fleißig allein berechnet :) Das Officersein ist echt cool und wir haben die letzten Tage gaaanz viel an Deck gemacht. Umarmungen an Alyssaaa und Lisaaa und Mareikeee!!! Seid ihr nicht proud, dass ich mal einen langen Blog geschrieben habe?!
- Philine: Liebe Grüße an Oma Inge. Hab dich ganz doll lieb!!!!
- Mateo: Alles Liebe zum Geburtstag Jörg!!!
- Leander: Etwas verspätet alles aber ganz liebe Grüße nach Hause. Ganz ohne Seekrankheit bin ich auch diesmal nicht ausgekommen aber es hielt sich in Grenzen. Meine neue Cabin ist echt entspannt und meine Watchzeiten auch. By now very late I know but happy birthday to Fabienne and Francesca of course too.
- Jonah: Liebe Grüße an Opi, meine Familie, Amelie und Frau Richter.
- Laurids: Liebe Grüße an Julika. Ganz besondere Grüße an Jannick. Alles Gute nachträglich zum Geburtstag, feiert schön!
- Letitia: Alles Liebe nachträglich zum Geburtstag liebe Anna!! Jetzt kann ich dir leider zum zweiten Jahr in Folge nicht persönlich gratulieren, ich hoffe du hast trotzdem einen super schönen Tag und fühlst dich gefeiert! Liebe Maria, alles alles Gute zu deinem Geburtstag. Ich hoffe dir geht es gut und du hattest auch einen schönen Samstag. Ich freu mich riesig euch im Sommer wiederzusehen!
- Muri: Liebe Grüße an die Family! Irgendwie freue ich mich schon voll auf zuhause und natürlich auf euch alle:) Internship ist zwar nicht so intensiv wie gedacht, aber schon ganz cool. Ganz liebe Grüße auch an Justus (Hannes), vielen Dank für das T-Shirt, ich freue mich wirklich sehr! Danke an die Madita für die lieben Briefe und für die Eyepatches, sie kamen wirklich genau im richtigen Moment haha:) Ganz liebe Grüße auch an Tobias, ich vermisse den Unterricht mit dir;)
- Lisbeth: Liebe Grüße an alle! Do NOT forget the irish certification, dad! Wieder zurück auf See zu sein, ist schön. Das Internship ist ganz schön anstrengend aber man lernt viel. Danke an Madita für den süßen Brief und all das andere, mega! Lots of love to Sarah, Mark, Charlotte and Robin, I hope you are having a wonderful time. Missing you all! Do your thing Phillip, you are doing great!
- Mia De: Liebe Grüße an Mama, Papa, Sophie und Linus! Jetzt ist die erste Woche in der Galley schon fast um. Ich konnte was dazulernen und heute gab es French Toast zum Frühstück (werd ich auch für dich machen, Linus, wenn ich wieder da bin). Nächste Woche bin ich dann in der Evening Galley :) Hab euch sehr lieb und drücke euch alle. Viele Grüße auch an Eva, wir müssen, wenn ich wieder da bin, unbedingt zusammen in ein Kunstmuseum gehen, gerne auch mit Ming (ich hoffe, ich hab mich richtig an den Namen erinnert) und seiner Schwester. Bussis gehen auch an Oma und Opa! Lieber Connie (richtet ihm die Grüße bitte aus), bald kommen wir in Kuba an und ich hoffe trotz der derzeitigen Situation etwas von der kubanischen Musik zu hören, von der du geschwärmt hast. Wusstet du übrigens,dass es für die Nightwatches hier immer Toasties gibt? Deine sind aber natürlich besser, freu mich schon wieder auf das Monokel mit allen drum und dran:)
- Mia Di: Liebe Grüße an Jette, ich vermisse dich!
- Luna: Liebe Grüße an Papa, vermisse dich ganz, ganz doll!! Ich hoffe es geht euch zuhause allen gut. Ich bin fast gar nicht seekrank und es ist echt schön wieder auf der Eendracht zu sein!! Hab euch lieb und drückt Lulu und Matze von mir.
- Pauli: Liebe Grüße an Papa, Mummi und Kathy. An Fredo und Loli ich freu mich schon aufs Segeln mit euch in den Sommerferien, ich warne dich Fredo, wir hosten keinen Gennaker am Kat. Ich segel dafür auch dann die Segel Regatta mit dir, hab dich lieb. Liebe Grüße auch an Lotti, ich freu mich schon, dich wiederzusehen und mit dir zu kochen.
- Hannah: Liebe Grüße an alle, vor allem an Marie (ich weiß ich bin viel zu spät) denn ich wünsche dir alle Gute nachträglich zum Geburtstag! Liebe Mama lieber Papa, hab euch lieb, Internship macht richtig viel Spaß!
- Inka: Hallo Papa, alles Gute zum Geburtstag! Habe dich ganz doll lieb und vermisse dich. Iss ein Stück Kuchen für mich mit bitte. Liebe Grüße auch an Mama und die Großeltern.