30. März 2026 Brennpunkt Kuba
Sonntag, 29.3.2026
Position: 018°54.6 N; 076°13.7 W
Zurückgelegte Seemeilen: 9233.1 nm
Ziel: Bermuda
Wetter: good visibility (Haiti)
Stimmung: sleepy sunday
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Während unseres zweiwöchigen Landaufenthalts in Kuba konnten wir Einblicke in ein Land gewinnen, in dem der Großteil der Menschen in Armut lebt. Obwohl wir bereits einige Länder besuchten, mit im Vergleich zu Deutschland hohen Armutsrate, ist doch in Kuba die Hoffnungslosigkeit der Menschen sehr präsent.
Bevor Kuba am Horizont auftauchte, hatten wir uns bereits intensiv mit der Geschichte Kubas und der aktuellen Situation vor Ort befasst. Uns war bewusst, dass es aufgrund des Kommunismus und von den USA (nach der Revolution Kubas und der Bennennung als sozialistischer Staat) verhängten Wirtschaftsembargos einen großen Mangel an Waren gibt und generell ein großer Teil der Bevölkerung in Armut lebt. Vor allem durch die vor einem knappen halben Jahr von den USA verhängten Sanktionen (für Länder, die fossile Brennstoffe an Kuba liefern) herrscht ein extremer Mangel an Ressourcen für die Energiegewinnung, vor allem Öl aus Venezuela. Momentan gibt es deshalb in Kuba häufig Stromausfälle. Autos, LKWs und die Müllabfuhr fahren nicht. Die gesamte Versorgung liegt somit gerade auf Eis.
Bei unserer Ankunft in Cienfuegos war alles entgegen meiner Erwartung sehr sauber und überall waren kleine Geschäfte, die alle Art von Kunst und Souvenirs anboten. Währenddessen hatte ich aber die ganze Zeit das Gefühl, in einer Geisterstadt unterwegs zu sein, weil anstatt Autos nur kleine Tuktuks und Pferdekutschen fuhren und außer uns keine anderen Touristen unterwegs waren.
Relativ schnell, als wir abseits des für die Touristen aufgeräumten Bereichs gelangten, wurde uns klar, dass die Situation tatsächlich so ernst ist, wie in den Medien beschrieben. In den Straßenecken stapelte sich der Müll in dem Hunde und Pferde nach Essen suchten. Dreckiges Wasser floss am Rand der Straße, alles wirkte runtergekommen und es stank. Kinder, die uns über den Weg liefen, fragten uns nach Süßigkeiten und Dollar – Erwachsene fragten nach Seife, Zahnpasta, Medizin und Geld. Der Mangel an Waren und die Armut war in jeder Straße sichtbar und die Verzweiflung spürbar.
Cienfuegos von oben © Becci
Pferdekutsche in Cienfuegos
Uns allen sehr eindrücklich im Gedächtnis geblieben ist unser Ausflug ins Valle Ingenio. Früher ein Tal, in dem durch die Arbeit von tausenden Sklaven riesige Mengen Zuckerrohr geerntet wurden und das so zum Reichtum der Region um Trinidad beitrug. Heute ein beliebter Ort für Touristen, um sich über die Geschichte Kubas zu informieren. Doch wir waren wieder einmal die einzigen Touristen. Wie abhängig allerdings die Menschen, die dort leben von dem Tourismus, das heißt dem Geld der Besucher sind, wurde uns beim Turm Iznaga, der früher zur Überwachung der Sklaven diente, bewusst. Ab dem Moment, als wir aus dem Bus stiegen, liefen Kinder auf uns zu und bettelten ohne Unterlass. Von Frauen wurden uns alle möglichen Souvenirs angeboten. Nach einem 50 Meter langen Weg zum Turm, waren wir bereits von einer Schar Kubaner*innen umgeben, die alle versuchten, unsere Aufmerksamkeit zu erlangen. Das Aufnehmen von Augenkontakt genügte, um direkt in ein Gespräch (mit dem Ziel an Geld zu kommen) verwickelt zu werden. Wenn irgendjemand von uns einem der Kinder etwas schenkte, rannten alle anderen Kinder und Erwachsene zu dieser Person und bettelten nach mehr. Egal wie viel wir gegeben hätten, es wäre nicht genug gewesen.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir, als Laurids (umringt von weiteren Kubaner*innen, vor allem Kinder) gerade dabei war, einem Straßenverkäufer Geld für ein Souvenir zu geben. Den Geldschein noch halb in der Hand, schnappte eines der Kinder nach dem einen Dollar. Der Verkäufer hatte auch ein Teil des Scheines in der Hand und zerrte daran. Das Kind ließ allerdings nicht los, sodass der Verkäufer anfing das Kind anzuschreien, den Arm packte und es dazu brachte, dem ihm zustehenden 1 Dollar Schein zu überreichen. Für 1 Dollar/1 Euro bekommt man in Deutschland einen Lolli, doch in Kuba war dieser eine Dollar so viel wert, dass es das Kind dazu brachte, ihn stehlen zu wollen und den Verkäufer dazu brachte, mit allen Mitteln um ihn zu kämpfen. Natürlich ist mir bewusst gewesen, dass die aktuelle Situation zum Leben in Kuba schlimm ist, doch in Realität so einer Armut zu erleben, die die Menschen zu solchen Taten zwingt, ist etwas ganz anderes.
Das über den gesamten Aufenthalt in Kuba wahrnehmbare Gefühl der Verzweiflung und Unzufriedenheit bei der Bevölkerung, konnte ich in Trinidad ebenfalls deutlich spüren. Obwohl an sich Trinidad eine wunderschöne Stadt mit beeindruckenden Häusern, Gassen, Plätzen und Kirchen ist (der auf dem Reichtum beruht, der durch den Anbau von Zuckerrohr und die Arbeit der Sklaven entstanden ist), war die Stimmung sehr traurig. Und auch hier wurden wir von einigen nach Geld, Seife und Medizin gefragt. Das hat niemanden mehr gewundert.
Leere Straße in Cienfuegos © Becci
Mitgenommen hat mich das aber nicht weniger. Ich möchte diesen Menschen gerne helfen, aber ich weiß einfach nicht wie. Durch unsere Anwesenheit (d.h. dadurch dass wir Geld dalassen) helfen wir den Menschen bereits, doch es fühlt sich leider nicht so an. Es ist nicht genug. Doch ich fürchte die Einzigen, die wirklich helfen können sind die Kubaner*innen selber, denn die nachhaltigste Methode, um wirklich etwas zu verändern ist ein politischer Wandel. Wie der dann aussehen soll/muss weiß ich nicht. Ich hoffe allerdings, dass dieser Wandel bald kommt, denn die Menschen leiden. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen. Die Verzweiflung und die Hoffnungslosigkeit und das bei einem Volk, das bekannt für seine Lebensfreude ist, unabhängig der Situation. Ich würde unglaublich gerne dieses Land, das so reich an Geschichte ist, eine wunderschöne Kultur hat und das so viel mehr zu bieten hat, noch einmal besuchen, aber erst, wenn die Menschen wieder glücklicher sind, Perspektiven und vor allem wieder Hoffnung haben.
Hannah
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Eendracht-Lexikon
Kommunismus bedeutet, dass alle Produktionsmittel vom Staat verwaltet werden und ihm gehören. Privateigentum ist fast nicht existent
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Grüße:
- Paul: Ganz liebe Grüße an meine Familie, Oma und Opa und an meine Klasse! Sorry, dass ich so lange nicht geschrieben habe, aber ich hoffe, es geht euch gut!
- Hannah: Liebe Grüße an Mama, Papa. Hab euch ganz dolle lieb. Mir geht es gut. Bald ist zweite Handover – darauf freue ich ich schon. Liebe Leo, lebe Grüße zu dir nach Kanada. Ich vermisse dich und denke an dich, aber in zwei Monaten sehen wir uns ja schon wieder. Genieß die Zeit! Liebe Grüße natürlich auch an Mariko und Mathilda, ich hoffe ihr habt beide euren Geburtstag richtig schön gefeiert.
- Mateo: Liebe Elke alles Liebe nachträglich zum Geburtstag!!! Lieber Yannik alles Gute nachträglich zum Geburtstag, ich hoffe, du hattest einen schönen Tag!
- Letitia: Liebe Grüße an meine Familie, ich denke an euch und habe letzte Nacht von euch geträumt. Liebe Franka, ich denke gerade viel an dich und hab mir die Anleitung von dem Pflaster durchgelesen und überlegt, ob der Tee auch gegen Übelkeit hilft. Ich hoffe dir gehts gut, ich würde dich gerade so gerne sehen! Alles Liebe an euch alle, ich freue mich auf die Telefonzeit!
- Mia Di: Liebe Grüße an Papa, Tom und Anna, Sophie, Jette, Philipp, Johanna, Johanna, Paula, Ishika, Aliya, Simon, Matt, Elias, Laura, Leni und Jana! Genießt die Ferien, bei den nächsten habt ihr mich schon wieder am Hals :)
- Lisbeth: Ganz liebe Grüße an alle zuhause! Vielen Dank für all die süßen Briefe, Anki, Opi, Baba, Paddy, Anna, Sarah, Mark, Charlotte, Robin an everyone else in Carrowgarry. Ganz besonderes Dankeschön an Mama, Papa und Phillip, I solved the riddle. It was absolutely delightful and very sweet! Hier an Bord habe ich auch ein paar Rätsel bekommen. Es war ein schöner Geburtstag aber leider war es auch sehr stressig. Hab euch lieb!