13. April 2026 Der blaue Dunst Kubas
Datum: 11.04.2026
Position: Bermuda · Ziel: Azoren
Zurückgelegte Seemeilen: 10.387,3
Wetter: sonnig aber leider langsam kälter
Stimmung: Bereit für das Crossing!!
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Wir haben gestern in Hamilton, Bermuda abgelegt und sind jetzt mit gehissten Segeln auf Kurs nach Azoren. Jetzt müssen sich alle wieder an den Seaschedule und auch den Seegang gewöhnen! Die zweite Atlantiküberquerung steht bevor!
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Der blaue Dunst Kubas
Bereits vor und während unseres Aufenthalts auf Kuba haben wir wahrgenommen, wie populär kubanische Zigarren weltweit sind. Doch wie kam es eigentlich dazu?
Als Kolumbus 1492 in Kuba an Land ging, traf er bereits auf Einheimische, die Tabak rauchten. Während die spanischen Konquistadoren das Rauchen zunächst als Unkultur ansahen, zelebrierten es die Indigenen als heiliges Ritual. Ab dem 17. Jahrhundert entwickelte sich der Tabak zunehmend zu einem der wichtigsten Handelsgüter der Alten Welt und gelangte schließlich sogar in europäische Königshäuser. Schon damals, besonders im 18. Jahrhundert während der Kolonialzeit, versuchten Schmuggler das königliche Handelsmonopol zu umgehen. Auch heute noch gibt es einen florierenden Schwarzmarkt, denn die kubanische Zigarre ist weltweit gefragt und ist zu einem lukrativen Geschäft geworden.
Die wohl bekannteste Marke ist die Cohiba, die 1964 von Fidel Castro nach dem Rauchritual der Ureinwohner benannt wurde. Insgesamt werden in Kuba heute 32 Marken produziert mit über 60 verschiedene Zigarrenformen und -größen.
Verschiedene Zigarrenformen und -größen © Greta
Doch wie wird aus einer empfindlichen Pflanze eine solche Kreation?
Die Tabakpflanze stellt hohe Ansprüche an ihren Standort. Besonders gut gedeiht sie in den fruchtbaren Schwemmlandböden der Flüsse Pinar del Río im Westen Kubas, die als eines der besten Tabakanbaugebiete der Welt gilt. Das Wissen über Anbau und Verarbeitung wird dort seit Generationen weitergegeben und ist ein wichtiger Teil der kubanischen Kultur. Von der Aussaat bis zu fertigen Zigarren sind mehr als 160 manuelle Arbeitsschritte erforderlich.
Anfang Oktober beginnt die Aussaat in Gewächshäusern. Nach etwa 30 Tagen werden die jungen Pflanzen, die dann ungefähr zehn Zentimeter groß sind, auf die Felder umgesetzt. Nach weiteren drei Monaten erreichen sie ihre volle Höhe von bis zu zwei Metern. Anfang Januar beginnt schließlich die Ernte, ein sehr arbeitsintensiver und anspruchsvoller Prozess, der bis heute ausschließlich von Hand durchgeführt wird.
Nach der Ernte werden die Blätter in Trockenscheunen aufgehängt, wo sie langsam trocknen und ihre Farbe sowie Struktur verändern. Anschließend folgt die Fermentation, ein entscheidender Schritt für die Entwicklung von Aroma und Qualität. In den Fabriken werden die Blätter danach sorgfältig nach verschiedenen Kriterien wie Farbe, Größe, Textur, Elastizität, Textur, Aroma, Stärke und Brennverhalten sortiert, bevor sie in die geschickten Hände der Zigarrenroller gelangen.
Rundmesser und Holzpresse am Arbeitsplatz eines Zigarrendrehers © Lilly F.
Eine Zigarre setzt sich aus mehreren Tabakblättern zusammen, drei davon sind maßgeblich für den Geschmack verantwortlich. Zunächst nimmt der Zigarrendreher ein besonders kräftiges Blatt als Einlage, das mit Blättern verschiedener Färbung zur habanero (Rohzigarre) eingerollt wird. Anschließend wird die roh gerollte Zigarre in eine Presse aus Zedernholz für circa 30 Minuten gelegt. Danach schneidet der Arbeiter mit einem speziellen Rundmesser, dem sogenannten chaveta, das Deckblatt passgenau für die Seite des Mundstückes zurecht und befestigt es mit Pflanzengummi. Die Qualität des Endproduktes hängt dabei entscheidend von der Präzision und Erfahrung des Rollers ab, insbesondere beim Anbringen des Deckblatts. Zum Schluss wird die Zigarre an der Brennseite beschnitten, bevor sie mit einer charakteristischen Papierbanderole der jeweiligen Marke versehen wird.
Unterschiedliche kubanische Zigarrenmarken © Lilly F.
Markennamen wie Cohiba, Montecristo, Romeo y Julieta, Partagás, Bolívar, H. Upmann und Vegas Robaina zählen zu den besten der Welt. Auch bekannte kubanische Persönlichkeiten trugen zum Mythos der Zigarre bei. Fidel Castro rauchte bevorzugt Cohiba, während Che Guevara hingegen eher zu Montecristo griff.
Kubas Zigarren sind damit weit mehr als nur ein Exportprodukt. Sie sind ein Stück Geschichte, Kultur und gelebte Handwerkskunst. Jeder einzelne Schritt, von Samen bis zur fertigen Zigarre, erfordert Geduld, Erfahrung und Leidenschaft. Vielleicht ist es genau diese Kombination, die den blauen Dunst Kubas so besonders macht.
Lilly F.
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Die oben dargelegten Informationen wurden aus folgenden Reiseführern entnommen:
- „Kuba“ geschrieben von Stefan Loose und veröffentlicht von Travel Handbücher
- „Kuba“ geschrieben von Gesine Froese und veröffentlicht von Marco Polo
- „Kultur Schock Cuba“ geschrieben von Jens Sobisch und veröffentlicht von Reise Know How
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Grüße:
- Jonah: Liebe Grüße an meine Familie, die Rüters und die Schinkels. Jetzt schon kein Bock mehr auf den Seegang, mir geht es aber trotzdem ganz gut.
- Lisbeth: Ganz liebe Grüße an alle zuhause! Erster Tag auf See und schon wieder ganz busy. It was lovely to see you Baba! Es war so schön mit euch, Mama, Papa und Phillip! Can not wait to to all the mischief at home. Der Abschied rückt immer näher! Ich will nicht! Love you all!