25. März 2026 Aectimel schlägt zu!

Mittwoch, 25.3.2026
Position: 20°06.9'N,  078°54.9'W
Zurückgelegte Seemeilen: 9003.3
Ziel:  Jamaika
Wetter: noch warm
Stimmung: Froh wieder auf der Eendracht zu sein,  bewegt von den Erlebnissen der letzten Woche


Während wir mit der Eendracht auf dem Weg nach Jamaika sind, gibt es heute noch einen weiteren Bericht über unsere bereits einen Monat zurückliegende Expi in Costa Rica.

Unsere Gruppe vor einem Wasserfall

Gruppe »Aectimal« vor einem Wasserfall © Passant

Es war einmal ein kühler Frühlingsmorgen irgendwo in Costa Rica, in einem Dörfchen, das sich Longo Mai nannte. Neun motivierte Menschen, deren Gemeinschaft Aectimel hieß, hatten es sich an diesem Tag zur Aufgabe gemacht, die Morgenruhe als erstes zu brechen und sich um 6:00 Uhr auf den Weg zur Bushaltestelle zu machen. Kurs war in Richtung voller Ungewissheit und Vorfreude, was in den nächsten Tagen passieren würde. Die Gruppe war zwar noch ein bisschen verschlafen, aber gut gelaunt, als sie den Bus am Horizont erblickte. Das Ziel der Fahrt war klar: Cartago. Mit seiner Ruine und den aufwändig gestalteten Kirchen bot sich die älteste Stadt des Landes, (was Lisbeth gern erwähnte), perfekt für den Einstieg in die große Expi an.

Nach der Ankunft am Rande Cartagos musste die Gruppe zum ersten Mal ihrem Namen alle Ehre machen und 5 km in die Innenstadt laufen. Vorbei an den ärmeren, aber eindrücklichen Vierteln stand sie nach einer guten Stunde vor der berühmten Ruine Cartagos. Bevor sie sich mit der immer wieder auftauchenden Frage der Expi, wo sie denn diese Nacht schlafen sollten, beschäftigten, stärkten sie sich mit  mitgebrachtem Essen von Longo Mai. In den folgenden drei Stunden würden sie über sieben Kirchen, das städtische Gericht, eine Schule, die Polizei, die Feuerwehr, den Optiker und noch mehr als ein Dutzend andere auf der Straße getroffene Personen nach einer Antwort auf ihre Frage bitten.

Pause auf dem Marktplatz Cartagos

Pause auf dem Marktplatz Cartagos © August

Die Uhr schlug schon 18:00 Uhr und die Sonne ging langsam unter. Die Hoffnung, heute noch einen sicheren Schlafplatz zu finden, schwand mit jeder Minute. Die Gruppe näherte sich der letzten noch verbleibenden Kirche. Ein Mann stand vor dem gut gesicherten Gelände und spazierte offensichtlich mit seinem Hund. Er sprach sie an und fragte, was sie denn täten. Nachdem sie ihm mit gebrochenem Spanisch ihre Situation und ihre Absicht erklärten, half der Mann und fragte in der Kirche nach einer Schlafmöglichkeit. Die letzte Hoffnung der Aectimels ging leider auch nicht auf.

José, der versuchte, ihnen zu helfen, entschied kurzerhand, sie bei ihm und seiner Frau unterzubringen. Sie nahmen das großzügige Angebot dankend an und liefen ihm hinterher. Kurz darauf lernten sie zum ersten Mal Josés deutsche Frau Eveline kennen, die ihnen noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Sie bot ihnen ein warmes Abendessen, ein großes Zimmer für die Isomatten und zur Freude aller eine warme Dusche an.

Als die Pasta mit Tomatensauce verdrückt war und nachdem sie mit Eveline noch ein wenig über Gott und die Welt geredet hatten, ging es auch schon mit den berühmt-berüchtigten Die Drei ??? in den Ohren ins Bett.

Der folgende Tag startete mit einem leckeren Frühstück und gutem Kaffee (wichtig für Lilly). Die Gruppe brach um 10:30 Uhr auf. Die Fahrt betrug ca. eine Stunde. Die gute Stimmung, die Aectimel bis dahin mit sich trug, bekam einen ersten Dämpfer. Lilly bemerkte nämlich, als sie den Bus verließ, dass das gesamte Expigeld beim Aussteigen geklaut worden war. Obwohl das natürlich ein derber Schlag für die Gruppe war, ließen sie sich nicht unterkriegen und es ging direkt weiter.

Das nächste Ziel hieß Quepos ein kleines, aber beschauliches Städtchen an der costa-ricanischen Pazifikküste. Aectimel kam erst spät an und musste sich wieder die eine, aber alles entscheidende Frage stellen: „Wo schlafen wir heute?“ Alle waren schon sehr müde und quälten sich durch die Straßen. Am Ende, als nicht mal die Polizei ihnen helfen konnte, entschieden sie sich kurzerhand, am Wasser direkt neben einem Park im Schein der Straßenlaterne ihr Biwak aufzuschlagen.

August und Lara beim Tragen, der NOCH vorhandenen Fresstüte

August und Lara beim Tragen, der NOCH vorhandenen Fresstüte © Lilly


Mit einem Swim-Call begann der dritte Tag. Aectimel verließ anschließend Quepos und kam nach einer kurzen Busfahrt in Uvita an. Uvita ist ein Dorf an der Küste und sehr bekannt für seinen Walflossen-Strand. Auf dem Weg zum Strand wurden wieder allerlei Häuser und Personen nach einem Schlafplatz befragt, doch jedes Mal erfolglos. Angekommen am Strand, war das Aectimel ziemlich egal und sie rannten ins Wasser. Der Strand war wie ausgestorben, nur ein paar Locals und ein Engländer, Steve, der sehr interessiert an ihrem Projekt war. Steve lieh ihnen sogar sein Surfbrett und Aectimel konnte Wellenreiten. Als der Badespaß sein Ende nahm, schoss die Frage des Tages wieder in die Köpfe der Abenteurer. Doch auch dafür gab es eine Antwort, da Lilly sich mit dem Ranger vor Ort unterhielt, der Aectimel anschließend gerne bei sich aufnahm. Er wohnte ein wenig außerhalb von Uvita, ungefähr eine Stunde mit dem Bus.

Dort angekommen begrüßte uns seine Frau inklusive Tochter und Enkelin. Die Gruppe durfte sich im Gästezimmer gemütlich machen, während schon eifrig gekocht wurde – mit tüchtiger Unterstützung von Julia und Letitia. Hinter dem Haus erstreckte sich, eine große Hühnerfarm inklusive einer Abteilung für Kampfhähne. Zum Abendessen gab es mal wieder Spaghetti mit Tomatensauce und Die Drei ??? zum Einschlafen.

Lara und Julia bei der Imigration

Lara und Julia bei der Imigration © Mia Di


Tag Nummer 4 war wahrscheinlich der anstrengendste für Aectimel. Es ging nämlich frühmorgens zur Bushaltestelle wo sie in den falschen Bus einstieg. Dieses Schicksal hatte aber den Vorteil, dass sie den „Schlongo-Mai-Fluchtrupp“ in Neilly trafen. Aectimel schenkte ihnen mehr oder weniger noch freiwillig ihre Essentüte (wir haben sie vergessen). Nach dem ganzen Schlamassel konnte es jedoch endlich weitergehen, denn sie wollten über die Grenze. Bis die ganzen Einreiseformalitäten geklärt wurden, konnte ein Teil der Gruppe noch einkaufen, da sie ja nichts mehr hatten. Der gesamte Prozess hat am Ende die Gruppe mehr als eine Stunde und eine Menge Gehirnschmalz auf Lillys Seite gekostet.

Zu dem Zeitpunkt war schon später Nachmittag und sie hatten noch einige Dinge zu erledigen. Von der Grenze ging es nach David in das Bambú Hostel, das eigentliche Ziel der Expi, doch Aectimel nutzte es, um noch ein paar letzte Gegenstände loszuwerden, bevor sie das Highlight ihrer Expi antreten wollten. Vom Hostel aus ging es mit dem coolsten Partybus Panamas nach Boquete. Zu dem Zeitpunkt wusste die Gruppe noch nicht, dass es zwei Boquetes gab. Da die Stimmung im Bus so gut war und alle dementsprechend abgelenkt waren, verpassten sie ihren Stopp und fuhren ein Boquete zu weit. Es war nun schon 20:00 Uhr und obwohl sie „activ“ in ihrem Namen hatten, waren sie nicht mehr so sehr motiviert, die 11 km zurückzulaufen. Zum Glück konnten sie mittels Trampen dieses Szenario ausschließen. Im Airbnb angekommen wurden direkt die Instantramenpackungen ausgepackt. Ob man das Kochen nennen kann, lässt sich drüber streiten, aber es schmeckte. Für die Abenteurer ging es früh ins Bett, da das Finale der Expi die zweitägige Besteigung des höchsten Berges Panamas sein sollte.

Ramen essen im AirBnB

Ramen essen im AirBnB © Lilly

Der Barú im Nordwesten Panamas ist ein inaktiver Vulkan und gehört mit seinen 3400 m ü. M. zu den höchsten Bergen Lateinamerikas. Um zu ihm zu gelangen, fuhr die Gruppe erst einmal mit dem Auto zum Eingang des Nationalparks. Alle waren aufgeregt, denn der Barú war für Aectimel essenziell, um ihrem Namen gerecht zu werden. Das Schicksal hatte an diesem Tag allerdings andere Pläne, denn die neun Wanderer wurden aufgrund ihrer wiederverwendeten PET-Flaschen nicht in den Park gelassen. Danach wurde erst einmal eine halbe Stunde Dampf abgelassen. Doch da es ja nicht das erste Mal war, dass Aectimel ein wenig zurückgeworfen wurde, planten sie die Route in kürzester Zeit um und liefen weiter.

Die Wanderung führte sie an mehreren Kaffeemanufakturen vorbei und der Tag wurde zu einem regelrechten Café-Hopping. Beim zweiten Stopp wurde ihnen sogar der komplette Prozess des Kaffeeröstens erklärt. Zum Herstellungsprozess gehörte natürlich auch der Probierprozess, der mindestens genauso beliebt war. Das neue Ziel des Tages war ein abgeschotteter Campingplatz nahe einem Fluss, in dem sich am Abend noch abgekühlt wurde. Zum Essen gab es Wraps mit Bohnenmousse. Da es der letzte Abend war, unterhielten sie sich viel und wünschten, dass das Abenteuer gerne länger gegangen wäre, bis sie sich dann das letzte Mal in ihren Schlafsäcken verkrochen.

Regenbogen über dem Campingplatz

Regenbogen über dem Campingplatz © Lara


Der sechste und letzte Tag der Expi war geprägt von Busfahren, Shoppen und Pizzaessen zur Freude aller. Außerdem wurde in Boquete eine deutsche Bäckerei aufgesucht, um das übrige Geld sinnvoll zu verwenden. Angekommen im Hostel nahmen sie die anderen Abenteurer schon in Empfang.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann wandern sie noch heute …
 

 

August

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Eendracht-Lexikon:
Aectimel Substantiv, Neutrum
Aussprache: /ˈɛktiːmɛl/
Wortart: Kunstwort; soziokulturelle Gruppenbezeichnung
1. Definition
Aectimel bezeichnet eine informelle, meist selbstgewählte Gruppenidentität, die Personen beschreibt, die sich durch ein hohes Maß an physischer Aktivität, Unternehmungslust und kollektiver Dynamik auszeichnen. Der Begriff fungiert sowohl als Eigenbezeichnung einer Gruppe als auch als Bezeichnung für deren einzelne Mitglieder. Die Werte, die lieb zu haben und gemeinsam etwas erleben.

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Grüße:

  • Lenni: Liebe Smilla ich wünsch dir alles Gute zum Geburtstag. Hab dich ganz doll lieb <3
  • Hannah: Allerliebste Mathilda, alles alles Gute zum Geburtstag! Ich bin mir sicher, du hast einen wunderschönen Tag (auch ohne mich ;) ). Ich habe dich ganz dolle lieb und ich freue mich auf’s Telefonieren, dann will ich wissen wie die Fete war, haha.
  • Mia Di:  Liebe Grüße an Mama und Papa, danke für alles! Ich hab euch ganz doll lieb!