Noch wenige freie Plätze im Lerncamp

Jetzt anmelden!

Sommer-Lerncamp

5. Dezember 2022 Zwischen Reis mit Scheiß und Trullala

5.12.2022, 20:30 Uhr

Position: 13°53.030’N  58°56.158’W
Kurs: 285° · Geschwindigkeit: 6,3 kn
Wetter: leicht bewölkt, warm, 27 °C
Stimmung an Bord: Bombastisch! Karibisch.
bisher zurückgelegte Seemeilen: 5499,94 nm
engine on

 

Moin,

nachdem ich mich lange gedrückt habe, schreibe nun auch ich einen Blogeintrag. Und natürlich geht es darin um mein Lieblingsthema, meine Freunde und Familie können es sich wahrscheinlich schon denken: Das Essen! Und ja, zu dem Essen hier an Bord kann man echt viel sagen. Es gibt Höhen und Tiefen und damit meine ich nicht den Ellernhügel zuhause, sondern eine Differenz von dem Mt. Everest und dem Mariannengraben. Ihr wollt ein Beispiel? Na gut, stellt euch vor, ihr geht nach einer anstrengenden 4-8-Wache zum Frühstück. Ich habe Glück, denn die Galley hat richtig nice Pancakes gemacht. Auch zum Mittag wird wieder ordentlich aufgetischt. Es gibt sehr leckere Lasagne mit feinstem Hack. Jeder wurde satt und nach dem schmackhaften Essen wird der Galley ein Trullala gesungen. Ein Trullala wird nur bei besonders gutem und leckerem Essen gesungen und geht so:

Der Galley sei ein Trullala, Trullala, Trullala, der Galley sei ein Trullala, Trul–la–la. Das Essen, das war wunderbar, wunderbar, wunderbar, das Essen das war wunderbar, wun-der-bar. Uuuund noch einmal ein Trullala, Trullala, Trullala, und noch einmal ein Trullala Trul-la-la.

Beim Abendessen wird sich dann mit Hähnchen-Wraps noch einmal selber übertroffen. Dies war ein sehr positives Beispiel, aber es kann auch ganz anders kommen und es gibt fünf Tage lang nur Reis mit Scheiß (kalter Reis mit Gemüse), weil wir entweder left-overs (Übriggebliebenes) verwenden müssen oder weil wir noch zu viel Reis und Gemüse haben, was weg muss. Nach den besagten fünf Tagen wird dann aus dem Reis, von dem wir übrigens aus meiner Sicht echt viel zu viel an Bord haben, Milchreis gemacht. Eigentlich ein Grund zum Feiern. Blöd nur, wenn du gerade Wache hast, deswegen später zum Essen kommst, schon alles weg ist und du, um überhaupt noch ansatzweise satt zu werden, von dem übrig gebliebenen, laktosefreien Milchreis der Crew essen musst. Ja, genau das ist meiner Watch passiert. Für meinen Geschmack gibt es hier auch eindeutig zu wenig Proteine. Ich meine, so ein bisschen Grünzeug ist ja schön und gut, aber der Körper ist nun mal aus Aminosäuren aufgebaut und braucht genug Proteine.

Aber genug genörgelt, im Großen und Ganzen ist das Essen hier echt ok und die Galley und insbesondere unsere Köchin Charlotte geben jeden Tag ihr Bestes, um was Essbares für uns zu zaubern. Vor allem wenn man selber mal eine Woche in der Galley war, weiß man, wie anstrengend das ist und welche Mühe dahintersteckt, wenn man für 60 Personen Essen kocht. Auch wenn es mir echt Spaß macht, am Grill zu stehen und für alle feinstes Fleisch zu braten, war ich nach einer Woche auch echt froh, dass ich wieder an Seilen ziehen konnte. Auch unterschätzt man häufig die Bedeutung, welche das Essen auf die Stimmung an Bord hat. Wenn es leckeres Essen gibt, sind automatisch alle gut gelaunt und schlechtes Essen drückt die Stimmung extrem.

Noch ein anderes Thema ist der Querfraß hier an Bord mit dem wir echt große Probleme hatten. Viele Leute hatten am Anfang Schwierigkeiten ihre Ernährung an das Bordessen anzupassen. Dazu zählte vielleicht auch ich. Nach den manchmal nicht ganz ausreichenden Mahlzeiten wurde, um satt zu werden, ein Abstecher in den Food Store eingelegt und sich (unerlaubterweise) Essen genommen. Vor kurzem ist dann aufgefallen, dass ein bisschen SEHR viel Proviant fehlt. Die Crew und die Lehrer stellten uns daraufhin zur Rede und es kam raus, dass ca. drei Viertel aller Schüler sich mindestens einmal Essen genommen haben. Die Strafen dafür fielen von mündlichen Ermahnungen bis Projektbucheinträgen (was ich übrigens ein bisschen übertrieben finde) aus. Jedenfalls haben jetzt hoffentlich alle gelernt, dass sich nichts mehr stibitzt wird.

Tino

PS.: Mama, Papa, eventuell gibt es bald einen Anruf dazu.

Foto vom 30. Oktober: © Lara

----

Grüße:

  • Tino: Ich bedanke mich sehr herzlich bei meinen Freunden und Familie für die lieben Geburtstagsglückwünsche. Trotz dessen, dass ich euch sehr vermisse und gerne mit euch feiern würde, hatte ich auch hier einen sehr coolen Geburtstag. Wenn ich wieder da bin wird natürlich nachgefeiert ;-)
  • Anika: Alles Gute zum Geburtstag Papa!!! Ich hoffe du hattest einen wunderschönen Tag, hast ganz viel Satilite gehört! Hab dich ganz doll lieb, genieß deinen Tee! Und alles Gute zum Geburtstag an Tinka! Hab dich lieb! (beides nachträglich) Ach und schönen Nikolaus an alle, hoffentlich habt ihr viele Nikoläuse bekommen!
  • Nanna: Willi sind schon Tour-Daten raus? Achso und hallo Familie, ich lebe. Hallo Michi und Isi, ich hoffe die Weihnachtszeit ist ohne mich noch erträglich. (Man kriegt hier immer nur einen Spekulatius, ich leide!)
  • Carli: Ich grüße Sammy: Ich vermisse dich, mein Bärchen!
  • Vici: Liebste Grüße an meine Freunde in den Niederlanden! Wir feiern hier im kleinen Kreis Sinterklaas.