Lietz-Gesichter: Andreas Bauer – Lehrer für Englisch, Biologie und Sport

Schule und Internat
25.11.2021

Vom segelnden Klassenzimmer aufs Inselinternat: im zweiten Teil unserer Portraitreihe traf Felix van Borsum Lehrer-Neuzugang Andreas Bauer. Mit einem Interview mit Kitelehrerin Tessa Knoef startete unser Schüler Felix van Borsum im September seine ganz persönliche Portaitreihe „Lietz-Gesichter“.

Nun hat er Andreas Bauer getroffen, der seit diesem Schuljahr die Fächer Englisch Biologie und Sport unterrichtet. Mit ihm sprach Felix über seine Reise mit dem Klassenzimmer unter Segeln, was die Lietz für ihn besonders macht und was er unbedingt auf der Insel ausprobieren möchte:

Es ist ein lauer Septembernachmittag, an dem ich Andreas Bauer in seinem kleinen Garten zum Gespräch treffe. Mit einem strahlenden „Servus“ begrüßt er mich, trägt seine Haare zu einem Dutt nach oben gebunden, ein Leinenhemd, eine locker sitzende steingraue Hose und herbstliche Lederschuhe. Das Sakko vom Unterricht am Vormittag hat er abgelegt, jetzt hat sein freier Nachmittag begonnen.

Mit dem klassischen System „Schule“, wie es an den meisten Schulen in Deutschland praktiziert wird, war er von Anfang an nicht einverstanden. So verschlug es ihn direkt nach seinem Studium zu „Klassenzimmer unter Segeln“, kurz KuS genannt. „Dinge, die ich während meiner Reise kennengelernt habe, finde ich hier an der Lietz wieder und deswegen hat mich diese Schule so überzeugt“, antwortet Andreas auf die Frage, wieso es ihm an der Lietz so gut gefällt. Für das Projekt KuS, das der High Seas High School (HSHS) der Hermann Lietz-Schule Spiekeroog sehr ähnlich ist, entschied er sich während einer Videokonferenz auf den Philippinen. Von der einen Insel über eine Schiffsreise auf die nächste. Ein bisschen so, wie in einem Karibikfilm.

Diesen Film lebt Andreas Bauer, 30 Jahre alt, in Bayreuth, nahe seiner Heimat, Biologie und Englisch auf Lehramt studiert und seit dem Sommer Lehrer bei uns an der Lietz. Er ist gewillt, gemeinsam mit seinen Schülern praxisorientierte Unterrichtserfahrungen zu sammeln und dadurch das Lernen spannender zu gestalten.

Während der Reise mit KuS lernte er die Geschichten seiner Schüler kennen und schätzen. „Das ist einzigartig und keinesfalls eine Selbstverständlichkeit“, sagt Andreas rückblickend auf die gemeinsame Zeit auf See. Praxisbezogenen Unterricht, der zwar immer mehr praktiziert wird, aber an den meisten staatlichen Schulen noch immer Utopie ist, lernte er an Bord kennen.

An der Lietz werden die Gegebenheiten, so wie an kaum einer anderen Schule in das Lernkonzept und Leben der Schüler integriert. Für Andreas Bauer ein ausschlaggebendes Argument, an der Lietz zu lehren. „Dass man Schüler auch außerhalb des Unterrichts kennenlernen darf“, war für Andreas Bauer einer der prägendsten Punkte dieser Lebensstation.

Die Mischung zwischen dem Freundschaftlichen Miteinander auf der einen und dem respektvollen, verantwortungsbewussten Umgang mit den Schülern auf der anderen Seite hat ihn „umgehauen“. An der Lietz findet er all diese Erlebnisse wieder.

Während der Reise mit KuS gab es für Andreas einige sehr prägende und besondere Ereignisse. Doch immer wieder aufs Neue den Sternenhimmel nachts an Deck mitten im Ozean zu beobachten und dabei immer wieder an eine unerreichbare Unendlichkeit erinnert zu werden, war für ihn am beeindruckendsten.

Sternenhimmel sind auch auf Spiekeroog hervorragend zu beobachten und vor einigen Wochen wurde die Insel deswegen sogar als „Sternenpark“ von der International Dark Sky Association ausgezeichnet. Während er von diesen magischen Nächten auf dem Ozean erzählt, entsteht ein Funkeln in seinen Augen und man merkt, dass diese Erlebnisse ganz besonders für ihn waren.

An der Lietz lernt Andreas die Menschen hinter seinen Schülern kennen und eventuelle Probleme der Schüler, die sich während des Unterrichts bemerkbar machen. „Das ist genau das was ich will, wenn es darum geht, einzelne Menschen zu fördern“. Von den Klassengrößen und der dennoch bestehenden Diversität an Schülern an der Lietz ist Andreas besonders positiv überrascht.

Er selbst ist überzeugt, dass er sich gut in die Perspektive seiner Schüler hineinversetzen kann. „Ich selbst war ein gemischter Schüler. Sobald ich etwas erledigen musste, verlor ich den Spaß daran, obwohl mich das Thema doch eigentlich interessiert hat.“ So ergeht es vielen Schülern und um dem entgegen zu wirken, sieht Andreas Bauer es als seine Aufgabe die Unterrichtsthemen für seine Schüler über den Unterricht hinaus spannend zu gestalten.

Wenn man ihm zuhört, während er über seinen Beruf spricht, merkt man, dass eine Leidenschaft aus ihm kommt und er sich an der Lietz ausgesprochen wohl fühlt. Nicht nur der Unterrichtsstoff steht während einer Schulstunde mit Andreas Bauer im Mittelpunkt, sondern auch der Schüler im Einzelnen.

Andreas ist sehr gespannt darauf, in naher Zukunft die inseltypischen Hobbys wie Schlagball, Boßeln und das Kitesurfen näher kennenzulernen und freut sich besonders, dass er das HSHS-Projekt in naher Zukunft begleiten darf.

Reisen und Fotografieren zählt er selbst zu seinen Lieblingshobbys. Das Reisen ist auf Spiekeroog zwar eher schwieriger, dafür ist die Insellage mit ihren vielen Vogelarten, der vielfältigen Natur und den unendlichen Weiten des Sternenhimmels aber prädestiniert für gute Fotos. Man kann sich also sicher sein, dass Andreas Bauer die Hermann Lietz-Schule auf Spiekeroog so schnell nicht verlassen wird.