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13. November 2023 Zusammenfassung der ersten Etappe

Datum: 13.11.2023
Position: 16°57.061'N 25°18.729'W
Kurs: Inseln entdecken
Bisher zurückgelegte Meilen: 3.782,05 NM
Wetter: sonnig, keine Wolken
Temperatur: 30°C · Wind: OSO 1

Gesetzte Segel: keine
Geschwindigkeit: vor Anker
Stimmung an Bord: Sehr gut, weil die erste Etappe geschafft ist und es hier jetzt echt schön warm ist.

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Servus zusammen,
im heutigen Blogbeitrag werde ich für dich die gesamte erste Etappe der 31. HighSeasHighSchool zusammenfassen. Ich werde nicht nur über die zurückgelegte Strecke, das Nautische und die besonders schönen Momente, sondern auch über die harten und herausfordernden Tage und Wochen schreiben, in denen wir aus Erfahrungen lernen mussten und schon jetzt über uns selbst hinausgewachsen sind. Doch für uns ist jetzt, kurz vor dem Atlantik, vor allem der Ausblick in die Zukunft und die bevorstehende Überquerung wichtig. Deshalb werde ich dir auch einen Ausblick in die kommende Etappe geben. Für alle, die außerhalb dieses Schiffes und der damit verbundenen Reise und Gemeinschaft leben, wird es jetzt vermutlich sehr schwierig, unsere Gefühle, Gedanken, Freuden und Ängste nachzuvollziehen. Dennoch ist es mir ein wahnsinnig großes Anliegen, diese mit dir zu teilen – wenn auch nur einen sehr kleinen Teil.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen.

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Stilbruch (Tagebuch):
3.10.2023
Der dritte Oktober ist der Tag unser aller Anreise. Alle 44 Schülerinnen und Schüler gehen an Bord der Gulden Leeuw, verstauen ihr Gepäck und kommen nach und nach an. Das Gemeinschaftsgefühl kommt schnell auf und der Gedanke daran, dass dieser Ort für die nächsten sieben Monate unser Zuhause sein wird, ist seit ein paar Stunden schon in jedermanns Kopf gewesen.

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7.10.2023
Das Horn bläst, die Spring fällt und die Gulden Leeuw verlässt ihren Liegeplatz in Bremerhaven. Während einige still und ruhig bleiben, feiern andere den Start der Reise. Weitere (auch ich) verlieren schon bald ihre Familien im Licht der verweinten Augen. Nachdem die ersten Seemeilen noch im Kanal zurückgelegt werden, nehmen wir unser erstes Essen auf See zu uns. Einige behalten es nur wenige Stunden für sich. Sobald die ersten Wellen das Schiff mit langsamen Bewegungen durch die See schieben, suchen die meisten die Planke auf. Nicht etwa, weil ihnen die Aussicht so gefällt, denn dichtester Nebel bedeckt unsere Sicht, viel mehr, um die Fische im Kielwasser zu füttern.

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9.10.2023
Wir verlassen das erste Mal deutsche Gewässer und die Stimmung ist, um alle zu beruhigen, schon viel besser. Blaues Wasser, ein heller Himmel und mehr oder weniger angenehmer Wind zum Segeln machen alle glücklich und gesund. Leider kommt der Wind, wie so oft, aus der falschen Richtung, weshalb wir gezwungen sind, immer wieder zu wenden, um so, in einem Zickzackmuster in Richtung des englischen Kanals zu kommen. Doch heute war der Tag gekommen, an dem wir tatsächlich gezwungen sind, die Maschine zuzuschalten und nur mit Forestay, Mainstay und Main zur englischen Küste zu kommen und dort abzuwarten, bis der Wind in die günstige Richtung dreht.

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12.10.2023
Angekommen vor Großbritannien, als wir den Anker setzen und beschließen hier für 4 bis 5 Tage zu bleiben, sind alle heilfroh, endlich wieder ein wenig mehr Zeit miteinander verbringen zu können. Besonders der Filmabend gibt uns in diesen Tagen des täglichen Bordalltags ein bisschen mehr Normalität.

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13.10.2023
Leider sind wir doch kürzer vor der englischen Küste geblieben als gedacht. Deshalb haben wir uns heute Abend entschieden den Anker zu lichten und uns auf eine weitere sehr große Etappe zu begeben. Teneriffa nonstop.

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17.10.2023
Wir befinden uns momentan fast mitten auf dem Atlantik. Ein großes Tief zwingt uns dazu einen großen Bogen zu fahren, um Seemeile für Seemeile mehr in Richtung Süden zu kommen. Momentan befinden wir uns zwar nur am Rand des Tiefs, allerdings bedeutet das für uns immer noch Windstärke 8 bis 9. Umgerechnet sind das 50 bis 60 km/h Windgeschwindigkeit, 90 km/h in Böen. Auch wegen der bis zu 6 Meter hohen Wellen, sind wir dazu verpflichtet, zu jeder Zeit einen Sicherheitsgurt zu tragen, wenn wir an Deck sind. Für alle anderen bedeutet das aber auch, dass sie drinnen bleiben müssen … auch wenn sie seekrank sind.

18.10.2023: Lookout bei Seegang © Andy

18.10.2023: Lookout bei Seegang © Andy

Beitragsbild oben: 22.10.2023: Hängematten auf dem Vordeck © Leopold

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24.10.2023
Wir laufen gerade nach fast zwei Wochen Sturm, Wellen und Seekrankheit die Insel Porto Santo an. Die Vorfreuden auf festen Boden, echte Zivilisation, Supermarkt, Strand und Freizeit sind riesig.

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26.10.2023
Heute hieß es wieder: Leinen Los und auf nach Teneriffa! Die letzte Strecke wird voraussichtlich nur wenige Tage dauern, dennoch ist es noch nicht ganz geschafft. So segeln wir jetzt mit frischer Energie und riesigem Elan die letzten Tage unserer ersten Etappe.

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29.10.2023
Endlich haben wir es geschafft! Die Segel sind gepackt, die Leinen fest und damit haben wir die erste Etappe geschafft. Nach fast vier Wochen, unglaublich stürmischem Wetter, einem Landaufenthalt und sehr viel Fische füttern, ist ein Siebtel der Reise vollbracht. Ich bin stolz auf uns alle!

23.10.2023: Eric beim »Coiling« der Leinen

23.10.2023: Eric beim »Coiling« der Leinen © Andy

Die Gulden Leeuw vor Madeira

24.10.2023: Die Gulden Leeuw vor Madeira

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Auf der vergangenen Etappe haben wir einiges gelernt. Wahrscheinlich sogar mehr, als wir in der Schule gelernt hätten. Da die erste Etappe nur dazu dient, sich an das Bordleben zu gewöhnen, zu lernen, die Gulden Leeuw zu segeln und alle kennenzulernen, hatten wir bis jetzt keinen klassischen Unterricht. Das meiste lernten wir in diesen Wochen also an Deck, auf der Brücke und vor allem aus gelebter Erfahrung.

Bordsprache Englisch, Segelphysik, Politik naher Osten, umfassende Wetterkunde waren Alltag. Navigieren, Steuern, Lichter und Signale in der Nacht erkennen und Segel setzen, sowie einholen waren nur die Spitze des Eisbergs, den wir in den vergangenen Wochen inhaliert haben. Jetzt sind fast alle auf dem gleichen Stand. Alle haben jede Aufgabe mindestens einmal gelernt und dann gefühlte hundert Mal wiederholt. Eine Aufgabe, die besonders gerne übernommen wurde, waren die Aufgaben des Watch- und Deckleaders, die Wache für Wache mehr und mehr Verantwortung übertragen bekommen haben.
Doch so haben wir alle beim Lernen viele High-, aber auch Lowlights erfahren müssen. Oftmals durch das Wichtigste an Bord: Erfahrung.

Erfahrungen, in denen man sich, wie beispielsweise beim Aufcoilen einer Leine ganz besonders viel Mühe gab, und dann der ernüchternde Kommentar der Deckhand kommt, dass die Leine nicht den Boden berühren darf. Eine andere Situation kann auf der Brücke passieren, wenn man anstatt von Grad, Minuten ins Logbuch einträgt und konsequenterweise natürlich auch die Position auf der Karte die Falsche ist. Bei eigentlich jedem Job hat man mindestens eine gute und mindestens eine schlechte Erfahrung gemacht, auf die man zurückgreifen kann und so den Prozess besser, effizienter und schneller macht. Hier wurden jetzt nur ein paar Beispiele genannt. Das heißt, es geht noch schlimmer.

An was man sich viel lieber erinnert, sind die Highlights und die Momente, in denen man auf Anhieb alles richtig gemacht hat (sehr selten). Besonders schöne Momente waren zum Beispiel: ein ungeplanter Landaufenthalt, ein Filmabend oder Burger. Ein weiteres großes Highlight (für manche), war der Sturm, den wir durchfahren sind und den wir gemeistert haben. Es war zwar hart, aber dafür ein riesiges Erfolgserlebnis für alle, in dem wir über uns hinauswachsen konnten.
Für manche scheint die Zeit wie im Flug zu vergehen, für andere scheint es so, dass schon ein ganzes Jahr vergangen ist. Das kommt damit, dass ein Tag wegen der Schlafzeiten, Wachzeiten und verschiedenen Unterrichtszeiten manchmal so wirkt, wie zwei Tage. Doch gleichzeitig passiert alles so schnell, dass es schwierig ist, alles aufnehmen zu können.

Wir freuen uns jetzt besonders auf die nächste Etappe. Von Teneriffa werden wir zuerst bis zu den Kap Verden segeln. Welche Inseln wir genau besuchen, steht noch nicht fest (ich schreibe aus der Vergangenheit), doch wir haben, weil wir in der ersten Etappe sehr viel Strecke, in einer vergleichsweise kurzen Zeit zurückgelegt haben, sehr viel Zeit, die wir jetzt auf den Kap Verden verbringen werden. Besonders gespannt sind wir auf die bevorstehende Atlantiküberquerung, die hoffentlich ein weiteres Highlight unserer Reise sein wird.

Boa Vista wir komme

10.11.2023: Boa Vista wir kommen © Peggy

Leopold und Markus bereiten vor Saint Antao das Dinghy vo

12.11.2023: Leopold und Markus bereiten vor Santo Antao das Dinghy vor © Peggy

Eine weitere Herausforderung, die wir meistern werden müssen, wird außerdem auch der tägliche Unterricht sein, der unser Schedule nochmal mehr füllt und alles auf ein weiteres Level heben wird. Wir freuen uns auf alles, was da noch kommt. Auf all die neuen Erfahrungen, Erkenntnisse und großartigen Momente, die uns weiter prägen und uns auf dieser Reise weiterbringen werden.

Bis dahin wünsche ich dir da draußen alles Gute, viel Freude und Spaß bei dem, was du gerade machst!

Servus und bis bald,
Dein Leopold


 
PS:
12.11.2023: Gestern morgen, 6.35 Uhr ist der Anker vor Tarafal, Insel Santo Antao, gefallen. Im Paradies werden wir baden, den Ort erkunden, unsere Sprachfähigkeiten testen, Unterricht an Land und Bord haben, einfach das segelnde Klassenzimmer mit Leben und Abenteuern gespickt, füllen. Wie genial ist das denn?! 

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Grüße:

  • Leopold: Liebe Grüße an Mama, Papa und Max in der Heimat. Leider konnte ich in den letzten Tagen nicht so oft grüßen, weil wir momentan Galley-Watch haben und deshalb doppelt so lange arbeiten wie alle anderen Watches. Ich bin jetzt mit Moritz Orange-Watch. Das ist echt voll cool. Naja, ansonsten geht’s mir sehr gut, wenn es auch momentan manchmal ein bisschen viel ist. Die Kap Verden sind bis jetzt nicht so schön, wie gedacht, dafür werden wir Euch aber vor der Atlantiküberquerung ganz sicher nochmal anrufen. Zur Stimmung an Bord: Es geht allen echt super, weil man momentan echt viel Schlaf bekommt, weil man (wenn man keine Galley ist) nur vier Stunden Watch hat. Zum Essen: Es gibt sehr viel Suppe. Der Unterricht ist echt cool, allerdings für 11klässler meistens Wiederholung (bis jetzt). Ich hab nicht nur euch, sondern auch meine Klasse und Freunde lieb und denke ganz viel an euch! Bis dahin allen da draußen alles, alles Gute und bis bald.
  • Manuel: Moin, Grüße gehen raus an Stefan. Bitte versuch nicht mich anzurufen, weil ich momentan offline bin … also einfach nicht anrufen. Außerdem an Tante Trude auf Madeira: leider waren wir nur auf Porto Santo. Deshalb konnte ich dich leider nicht besuchen.
  • Mia: Hallo ihr Lieben, Grüße an alle. Ich vermisse euch und bin mittlerweile relativ aufgeregt, weil der Atlantik immer näher kommt… Ich hoffe, dass es euch allen gut geht und freue mich schon darauf, mal wieder mit euch zu reden <3
  • Marlou: Ich verbringe momentan mindestens drei Stunden am Tag im Food-Store, da ich jeden Tag unser Essen aussortiere, was bei den Temperaturen zuerst gegessen werden muss, da es sonst verrottet; d.h. viel Arbeit und wenig Freizeit. Ich bin mega glücklich hier sein zu dürfen und trotzdem vermisse ich meine Familie und Freunde momentan besonders und denke oft daran, was die gerade so machen! Dicke Umarmung an Oma (Ich denk an dich und hoffe, dass es dir besser geht.), Mama, Papa, Lili, Cecile, und alle anderen, die an mich gerade denken.
  • Elisa (für die Landratten Lara): Oma, ich denke heute ganz besonders dolle an dich und hoffe, der Tag wird nicht zu schwer! Ich habe dich so unglaublich lieb!
    Mama, Papa und Anica, auch ihr seid heute besonders in meinem Herzen und ich denke so sehr an euch!  
    Ganz viele Grüße auch an Annegret – ich denke ganz dolle an dich und wünsche dir einen wundervollen Geburtstag!!
    Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag auch an Janne – genieße den Tag!!
  • Jonna: Moin Oma! Ich wünsche dir alles, alles Gute zum Geburtstag ;-)
  • Philip: Alles, alles Gute Zum Geburtstag nachträglich Floris. Ich hoffe du hattest einen tollen Tag. Natürlich grüße ich auch die H**ns auf Skiern, mir geht’s dauerhaft Fluffy.
  • Amelie V.: Liebe Grüße an meine Eltern und Oma & Opa, mir geht es momentan richtig gut, die ersten Eindrücke von den Kap Verden sind noch nicht ganz so pralle, aber das wird schon noch. Ich freue mich, wenn ich euch vor der Atlantiküberquerung nochmal anrufen kann :)
  • Svenja: Ich grüße Mama, Papa, Lina und Finn. Es fühlt sich komisch an, so weit weg von euch zu sein und es wird noch weiter... Aber ich denke immer an euch und ich weiß, dass ihr das auch macht! Ich hab euch ganz dolle lieb!!!
  • Anna-Lena: Viele Grüße an Tante Ine und Onkel Henning. Auf Teneriffa gab es einen Laden, der schwedische Süßigkeiten verkauft hat. Der hatte auch deine leckeren Dinger, die Caro immer so gerne isst. Leider hatte ich nicht mehr genug Zeit mir eins zu kaufen, aber ich habe gleich an euch gedacht. Viele Grüße natürlich an Mama, Papa und Caro. Ich vermisse euch alle.
  • Anton: Lieber Jakobus, ich hoffe du hattest einen wunderbaren Geburtstag und ich hoffe es geht euch super. Ich grüße auch meine Mama und Papa, uns geht super und wir haben perfektes Wetter. Ansonsten hoffe ich das es allen gut geht, die auch den Blog lesen. Hab euch alle super lieb!