28.05.2018 | Schule und Internat

Deichbau an der Lietz auf Spiekeroog | Es wird geschlötet

Wenn sich im Frühsommer die ersten warmen, trockenen Tage aneinanderreihen und die Gedanken und Füße vieler Urlauber und auch Lietzer an den Strand wandern, wägt der Deichbauer bereits wieder andere Eventualitäten ab. Wird das Wetter noch ein paar Tage halten? Bleiben wir von Niederschlag verschont?

Mit dem Becher Morgenkaffee in der Hand geht der misstrauische Blick über das junge Grün der Bäume zum Horizont: Welche Wolkenbildung ist zu erkennen? Was prophezeien die Vorhersagen?
Ein erster Erkundungsgang wird getätigt, vorsichtige Absprachen getroffen. Im Speisesaal beim zufälligen Treffen kurz mit der Schulleitung erwogen: Kann man das machen? Schon diesen Mittwoch? Es müssen aber möglichst viele sein!

Ist die Entscheidung getroffen, kommt der kurzfristige Eingriff in den individuell geplanten Tagesablauf von 45 jungen Lietzern der Klassen 8 bis 11. Morgen am Nachmittag geht ihr nicht in die Studienzeit, nicht an den Strand, nicht ins Dorf und bleibt auch nicht auf euren Zimmern. Die Entwässerungsgräben des Deiches sind soweit trocken, dass man mit dem Schlöten beginnen kann. Beginnen muss. Im Mai kann man sich nie sicher sein, ob das gute Wetter anhält. Also ran an den Spaten!

Letzte Feinheiten werden erwogen. Wer hat Zeit, 45 Schülerinnen und Schüler bei der Arbeit zu beaufsichtigen? Kann man ihnen zutrauen, weitgehend allein zu arbeiten? Man kann. Ein engagierter Abiturient gibt am Werkzeugschuppen jedem einzelnen Spaten oder Schaufel aus,
überprüft, wer zum Deichdienst antritt, verweist nochmals auf das richtige Schuhwerk.

Schon schlötet bereits die erste Kolonne im Garten des Internats – der einfachere Teil des Werkes – kurz darauf nimmt auch die zweite Gruppe ihre Arbeit im weiter südlich gelegenen ‚Urwald‘ auf. Die Überreste des Grabens sind von Farn überwuchert, von Bäumen und reichlich Holzschnitt umgeben. Hier muss man klettern, kraxeln, mitten in den doch noch weichen Grund des Grabens springen.

Die Schlötung wird weit ins Unterholz geworfen, damit der nächste Regen den Aushub nicht gleich wieder in den kleinen Kanal zurückspült. Bald schon versinken die Stiefel im Schlamm, bei jedem Tritt steigt Wasser aus der Erde. Es schmatzt, sticht, schaufelt, klatscht und hackt ringsum. Wie lange hat hier denn keiner mehr geschlötet? Müssen die Baumwurzeln fort? Wohin soll ich denn noch treten?

Aber entgegen manch düstrer Vorahnung gibt es kein Lamentieren, kein Hadern, kein Gequengel. Am Spaten ist die Stimmung ausgezeichnet, jeder gibt sein bestes. Das Ende der Arbeit ist klar: Der Graben muss wieder flott sein, dann geht’s schon zurück. Und wir sind so viele, dass kaum ein Meter Graben frei von Spatenblatt und Stiefel ist. Mensch, mach hin, wir sind doch gleich schon fertig!

Und die Betreuer? Irgendwo sind ein oder zwei Erwachsene, die hier und da durchs Unterholz kriechen, Ratschläge geben, das Grabenprofil erläutern, einige Spatenstiche zur Anschaulichkeit selber ausführen, wieder verschwinden. Jeder gibt auf sich und den anderen acht. Da kann nichts passieren.

Nach einer guten Stunde dann ist das gute Werk getan, Abmarsch. Beim PA-Schuppen gibt es noch ein Gruppenphoto, dann werden Geräte und Stiefel gesäubert und fortgeräumt. Alle sind zufrieden. Zweieinhalb Stunden waren für diese spontane Arbeit angesetzt worden. In anderthalb Stunden ist alles fertig, sind gut hundertfünfundzwanzig Meter Entwässerungsgraben auf Vordermann gebracht. DAS GENÜGT FÜR HEUTE!

An der Lietz wird geschlötet...


Im Garten des Internats wird kräftig zugepackt. Der Graben hat im Laufe des letzten Jahres deutlich an Tiefe verloren und entwässert die anliegenden Beete nicht mehr richtig. Hier tun starke Arme Not.


... 45 SchülerInnen machen mit!


Zuletzt versammelt man sich fürs gemeinsame Photo. Leider fehlen einige Gesichter, die bereits beim Säubern des Werkzeugs sind. Trotzdem eine starke Mannschaft, die gemeinsam in kurzer Zeit viel erreicht hat. Es kommt eben auf jeden an.

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